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Eva Kruse Jazz Jazz von der Schäreninsel aus

Wenn sie hervortritt, langt sie hyperrasant hin: Eva Kruse mit eigenem Quintett in der Frankfurter Romanfabrik.

29.05.2015 16:41
Stefan Michalzik
Die Jazzerin Eva Kruse und Band. Foto: Romanfabrik Frankfurt

Namhaft geworden ist die Bassistin Eva Kruse bis jetzt vor allem als Teil des Trios [em] mit dem Pianisten Michael Wollny und dem Schlagzeuger Eric Schaefer. Die Musiker sind sich dort auf Augenhöhe begegnet, keiner war bloß „Begleiter“. Auch als Komponistin trat Kruse markant in Erscheinung. Sie spielte bei dem Pianisten Arne Jansen und dem Saxophonisten Bunky Green, mehrfach war sie mit dem Posaunisten Nils Landgren auf Konzertreise. Bei [em] stieg sie vor ein paar Jahren aus, nach einer Kinderpause und dem Umzug auf eine schwedische Schäreninsel ist die gebürtige Hamburgerin nun erstmals mit einem Quintett unter eigenem Signum unterwegs.

Eine kräftige Brise durchweht das Haar auf dem Foto im Innern der Hülle zum Debütalbum „In Water“, das im Herbst vergangenen Jahres auf Nils Landgrens Label Redhorn Records herauskam. Um das Klischee eines nordischen Jazz unter besonderem romantizistischem Einfluss der Landschaft – Schlagwort Fjorde – kommt auch Eva Kruse nicht herum. Die Musik entspricht dem bis zu einem gewissen Grad, in den Einspielungen allerdings ausgeprägter als jetzt beim Konzert in der ausverkauften Frankfurter Romanfabrik, das die Jazzinitiative organisiert hat.

Die "Ente" ist dabei

Zwischen Bop-Artikulation und Fusion, impressionistischen und expressiven Momenten klingt alles ausgewogen und formal perfekt. Die Kompositionen wirken aufgeräumt, sie sind alle von Eva Kruse, abgesehen von zwei „Standards“: „Die Ente“ aus Prokofjews „Peter und der Wolf“ und Stings „When We Dance“. Elegische Intensität wechselt mit einem funky Groove.

Erstrangige Solisten durchweg sind die Musiker: Tjadina Würdinger an der Oboe, Uwe Steinmetz mit dem Sopran- und Altsaxophon; Philip Frischkorn anstelle des angekündigten Bugge Wesseltoft an Klavier und Fender Rhodes Piano sowie der Schlagzeuger Christian Jormin. Es spielt jeder, nach hergebrachter Art, sein Solo reihum.

Balladen und temperierte Kracher, mit einer Steigerung nach der Pause – immer beschwingter entwickelt sich dieser Abend. Alles wirkt stilsicher und dicht. In der begleitenden Rolle setzt Eva Kruse die Akzente tupferhaft. Wenn sie hervortritt, langt sie hyperrasant hin.

Es braucht natürlich nicht der Maßstab zu sein, doch wenn man einen unmittelbaren Vergleich zu dem Trio mit Wollny und Schaefer ziehen will, dann erscheint Kruses Musik bei weitem nicht so weit vorn, nicht so explizit zeitgenössisch. Das ist aufgeklärter moderner Mainstream – in einer inspirierten und frischen Form.

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