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Ensemble Modern Dieses zerbrechliche Zusammenleben

Das Ensemble Modern und das Arditti-Quartett begeben sich in der Frankfurter Alten Oper in Brian Ferneyhoughs Klangwelten.

D rei Tage nach den Wittener Tagen für Neue Kammermusik bot das Ensemble Modern die von ihm dort ur- und erstaufgeführten Werke jetzt im Mozart-Saal der Alten Oper Frankfurt. Darunter das Werk eines der ganz Großen der einstigen Avantgarde: Brian Ferneyhough, ein Solitär, der bis auf den heutigen Tag bei der Fahne modernster Komponierstrategien in höchster gestalterischer Konsistenz geblieben ist.

Sein 45-minütiger, zwölfsätziger Werkzyklus nach Christopher Tye, einem englischen Renaissance-Komponisten, war der dickste Brocken des Abends. Und man war gespannt, denn der Bezug auf einen 500 Jahre alten Kollegen legte die Vorstellung nahe, hier wäre die letzte Institution werkästhetischen Selbstbezugs modernen Komponierens doch weich geworden und hätte flugs den Weg zurück in gesichertes Terrain angetreten. Nein, auf die Institution Ferneyhough ist Verlass: In „Umbrations“ wolle er keinen „Parasitismus“ mit dem ihm als Kompositionsauftrag angetragenen Verhältnis zu alten Formaten betreiben. Vielmehr setze er „auf ein zaghaftes und zerbrechliches Zusammenleben“.

Und dieses bildete tatsächlich sehr eigensinnige, typisch ferneyhoughsche Klangwelten in verschiedenen Ensemblestärken über Streichquartett bis zum Cello-Solo. Das zerbrechliche Zusammenleben von alt und modern-komplex wirkte für die immer irgendwie aufgewirbelten Texturen des Meisters etwas beruhigend und farbharmonisch mehr sättigend. Da waren wunderbare, teils ins fast Unhörbare absinkende, selbst im Geräuschhaften immer formdicht bleibende, wirklich komponierte Vorgänge, die dann auch wieder in größeren Ensembles zu aufblühenden Entspannungslagen wechselten.

Hier glänzten sowohl das in kleinsten Klanggliedern noch distinkte Arditti-Quartett mit seinem phänomenalen Cellisten Lucas Fels als auch das Ensemble Modern selber und ganz besonders die gestaltungsvariable Zugangsweise des Dirigenten Brad Lubman. Der hatte auch den Werken der über eine Generation jüngeren Komponisten Christopher Trapani und Martin Grütter zu markanten Profilen verholfen.

Die grelle, ins Surreale und leicht Trashige driftende Welt Grütters in „Die Häutung des Himmels“ war dabei die bekömmlichere Arbeit, der der Komponist noch einen reizvollen Text mitgab.

Beachtlich war Trapanis „PolychROME“ über die römische Metropole, wo das klingend Steinerne und Archaische, Hitzeversengte und Harte der urbanen Abendlandwiege in Verbindung mit einem fast klassisch wirkenden Tonsatz stand.

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