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Echo-Verleihung Echo vom Zoff um Kollegah und Farid Bang überlagert

1. UpdateDie Nominierung hatte schon vorher für hitzige Diskussionen gesorgt, nun gewannen die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang den wichtigsten deutschen Musikpreis.

12.04.2018 23:49
Echo 2018
Kollegah (links) und Farid Bang rappen bei der Verleihung des Musikpreises Echo. Foto: dpa

Die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang haben die Verleihung der Echos überlagert. Toten-Hosen-Sänger Campino las den beiden Musikern am Donnerstagabend vor der versammelten Musikbranche in Berlin die Leviten – Kollegah wies dies später als „relativ stillos“ zurück. In Abwesenheit holte Weltstar Ed Sheeran derweil die wichtigsten Echos für den Hit des Jahres und das Album des Jahres.

Im Vorfeld der Echo-Verleihung hatten die Nominierungen für Kollegah und Farid Bang bereits Proteste ausgelöst. Diesen wird Antisemitismus vorgeworfen, in einer Liedzeile ihres besonders umstrittenen Lieds „0815“ heißt es etwa, „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“. Kollegah wies die Antisemitismus-Vorwürfe als Kampagne zurück und versprach etwa jüdischen Hörern freien Eintritt zu seinen Konzerten auf Lebenszeit.

Toten-Hosen-Sänger Campino griff die beiden in seiner eigenen Dankesrede für die Auszeichnung seiner Band für den Preis in der Kategorie Rock national scharf an. Campino sagte, „im Prinzip halte ich Provokation für gut und richtig“. Für ihn sei aber die Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe Texte oder die Diskriminierung von Religionen gehe, sagte der Punkrocker unter Applaus des Publikums der Festgala. Er hoffe, dass die Diskussion über Kollegah und Farid Bang wieder zu einem anderen Bewusstsein führe, „was als Provokation noch erträglich ist und was nicht“.

Trotz der Diskussion über ihre Texte gewannen die beiden Rapper den Preis in der Kategorie Hip-Hop/Urban National. Kollegah warf Campino vor, sich „als moralische Instanz“ aufgespielt zu haben. Dies gebühre eigentlich „einem so großen Musiker wie Campino nicht“. Der Bundesverband Musikindustrie als Ausrichter des Echo hatte noch kurz vor der Gala die Entscheidung, die Rapper nicht auszuschließen, als eine „Entscheidung im Sinne der Kunstfreiheit“ gerechtfertigt.

Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich entsetzt über den Echo für die Rapper. Es sei „ein verheerendes Zeichen“, den wichtigsten deutschen Musikpreis an „vermeintliche Künstler“ zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei, erklärte Knobloch in München.
Insgesamt gab es für den wichtigsten deutschen Musikpreis 90 Nominierte für 22 Auszeichnungen. Die mit „No Roots“ bekannt gewordene Alice Merton gewann die Kategorie Künstlerin Pop National, Milky Chance („Blossom“) als Band Pop National. Als beste Band international wurden Imagine Dragons („Evolve“) ausgezeichnet.

Der erkrankt abwesende deutsche Superstar Robin Schulz gewann einen Echo in der Kategorie Dance National. Damit konnte Schulz bereits das vierte Jahr in Folge eine der Auszeichnungen gewinnen. Zum vierten Mal einen Echo gewann die Band Santiano in der Kategorie Volkstümliche Musik. Alles in den Schatten stellt allerdings dabei weiter Helene Fischer, die die Kategorie Schlager gewann und damit ihren bereits 17. Echo gewann – kein Künstler ist erfolgreicher.

Als Künstler Pop national gewann Mark Forster das erste Mal die Auszeichnung und sagte, „ich hatte heute mal so richtig Bock, einen Echo zu gewinnen“. Als Künstlerin international gewann Pink, diese war aber ebenso wie Ed Sheeran nicht anwesend. Newcomer national wurde Wincent Weiss, als Newcomer International gewann der 2017 mit dem Sommerhit „Despacito“ erfolgreiche Luis Fonsi.

Ed Sheeran gewann außer für den Hit und das Album des Jahres auch in der Kategorie Künstler international. Dagegen ging der wie Ed Sheeran vier Mal nominierte Bausa („Was du Liebe nennst“) leer aus. (afp)

 

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