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Echo Retten, was nicht zu retten ist

Die Ansage der Musikindustrie, den Echo in seiner jetzigen Form abzuschaffen, lässt Fragen offen und weckt Verdacht. Der FR-Kommentar.

Echo Klassik
So sah er aus, der Echo Klassik. Wie der nächste Preis wohl aussehen mag? Foto: dpa

Es gehört zu den Gesetzmäßigkeiten des Skandals, dass es kein vorhersehbares Ende des Entsetzens und der Empörung gibt. Und selbst ein zwischenzeitiges Abflauen der Erregung bietet keine Garantie dafür, dass es bald darauf mit ähnlicher Wucht noch einmal von vorn losgeht. So gesehen ist die Ankündigung des Bundesverbandes der Musikindustrie, den Echo-Musikpreis in der bisherigen Form abzuschaffen, kaum mehr als der verzweifelte Versuch, noch zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Es ist ja durch die Affäre um antisemitische Anspielungen der Gangsta-Rapper Farid Bang und Kollegah nicht das Bedürfnis diskreditiert, Musiker für ihre Leistungen zu preisen und auszuzeichnen. Vielmehr haben sich die Branchenführer als völlig unfähig erwiesen, das über einen längeren Zeitraum heraufziehende Problem in seiner gesellschaftspolitischen Brisanz zu erfassen.

Dabei geht es nur bedingt um die hemdsärmelige Großmäuligkeit junger Musiker, die einiges auf sich halten, über die Stränge zu schlagen. Die Überschreitung von gesellschaftlichen Konventionen und Geschmacksgrenzen gehört seit geraumer Zeit zum Anforderungsprofil rebellischer Ausdrucksformen.

Die Echo-Organisatoren und die Plattenfirma BMG müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, im Vorfeld des Desasters die durch das Grundgesetz verbürgte Kunstfreiheit als Schutzschirm aufgeboten zu haben, um die Party am Laufen zu halten. Dass ein erfahrener Kulturpolitiker wie Wolfgang Börnsen (CDU) sich hergegeben hat, als Alibifigur eines dubiosen Ethikrates zu fungieren, lenkt die Spur nicht zuletzt auf einen fragwürdigen Lobbyismus im politischen Raum.

Auch wenn die nun kommunizierten Entscheidungen auf den ersten Blick den Eindruck von Demut und Entschlossenheit vermitteln, können sie doch den Verdacht wecken, dass man am Ende jedenfalls weitermachen will wie gewohnt.

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