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Echo für Kollegah und Farid Bang „Nichts mehr als ein Symbol der Schande“

Die Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang löst Empörung aus. Der Bundesverband Musikindustrie will das Konzept überarbeiten, das Notos-Quartett gibt seinen Preis zurück.

16.04.2018 14:26
Notos-Quartett
Über die Entscheidung der Verantwortlichen, „antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen“, zeigt sich das Notos-Quartett „zutiefst erschüttert“. Foto: Imago

Angesichts des Proteststurms nach der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang will der Veranstalter das Konzept erneuern. „Als Konsequenz daraus wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden“, erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Der ARD-Koordinator für Unterhaltung stellte den Musikpreis insgesamt in Frage. Es gebe nur eine sinnvolle Reaktion der Musikindustrie, schrieb Thomas Schreiber in einem Gastbeitrag für „Die Welt“ (Online: Sonntag/Print: Montag): „Eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch.“

Das Notos-Quartett aus Berlin protestierte gegen die Ehrung der Rapper, indem es bei Facebook ankündigte, den im vergangenen Herbst gewonnen Preis Echo Klassik zurückgeben zu wollen: „Die Echo-Trophäe, die bis zuletzt noch in unserem Probenstudio in Berlin stand, ist für uns nun nichts mehr als ein Symbol der Schande.“

Bis vor kurzem sei der Echo für sie „der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands“ gewesen, erklärte das Quartett am Sonntag auf Facebook. „Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar“, hieß es weiter.

Über die Entscheidung der Verantwortlichen, „antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen“, zeigten sich die Berliner Musiker „zutiefst erschüttert“.

WDR: Album stehe beim Sender auf dem Index

Die Rapper waren am Donnerstag für ihr als antisemitisch kritisiertes Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Es enthält die Textzeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“. Empörung gab es auch, weil die Rapper am 12. April geehrt wurden: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird.

Der BVMI-Vorstandsvorsitzende Drücke kündigte eine „umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen“ an. Details nannte er ncht. „Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt“, betonte er. „Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.“

Der Verband lehne jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ab, erklärte er. „Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert.“

Die Verleihung der Echo-Trophäen richtet sich in den meisten Kategorien nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauf folgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text „nicht so wesentlich übertreten“, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

ARD-Koordinator Schreiber nannte es beschämend und schamlos, dass sich die deutsche Musikindustrie in einer Live-Übertragung im deutschen Fernsehen (beim Privatsender Vox) am Gedenktag der Opfer des Holocaust auf diese Weise feiere. Es habe gleich ein dreifaches Versagen beim Echo Pop 2018 gegeben - „die Nominierung der beiden Ekelrapper Kollegah und Farid Bang, der sinn- und geschmacksfreie Auftritt dieser beiden am Ende der Show, die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen“.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) erklärte, das Album der Rapper stehe bei dem Sender auf dem Index. Demnach wird in den WDR-Radioprogrammen - auch im Jugendradio 1Live - keine Musik daraus gespielt. Dies habe schon vor der Echo-Verleihung gegolten, sagte eine WDR-Sprecherin am Sonntag und bestätigte damit einen Bericht des „Handelsblatt“.

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