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Echo-Auszeichnungen „Scheußliches Schauspiel“

Kritiker der Echo-Preisverleihung fordern entschieden Konsequenzen. Künstler werden aufgefordert, den Echo aus Protest zurückzugeben.

Peter Maffay
Peter Maffay sieht „eine Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz“ am Werk. Foto: dpa

Die diesjährige Echo-Verleihung stößt weiterhin auf Kritik. Daraufhin reagierte bereits am Sonntag der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mit seiner Ankündigung, der Echo werde ab sofort überarbeitet.

Ebenfalls am Sonntag meldete sich das Berliner Notos-Quartett zu Wort, das im vergangenen Jahr den Echo Klassik als bester Newcomer gewann. Auf Facebook teilten die jungen Musiker mit, dass sie den Preis zurückgeben. „Die Echo-Trophäe ist für uns nun nichts mehr als ein Symbol der Schande“, so das Quartett. Die Tatsache, dass der Preis offen Rassismus toleriere und ihn gar auszeichne, sei für die vier Musiker nicht tragbar.

Unter den Kritikern werden zuweilen Stimmen laut, die auch weitere Künstler dazu auffordern, ihre Auszeichnung zurückzugeben. Auch bleibt die Frage, warum keiner der diesjährigen Preisträger bei der Verleihung am Donnerstag auf die Ehrung verzichtete. Sänger Campino, Frontmann der Toten Hosen, hatte die Auszeichnung der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang in seiner Dankesrede scharf kritisiert. Den Echo für seine Band in der Kategorie Rock national nahm er dennoch an.

Dass die Verantwortlichen des Musikpreises nun die Regularien für eine Nominierung und die Preisverleihung überarbeiten wollen, geht vielen Kritikern nicht weit genug. Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, fordert in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst die Einrichtung einer Fachjury für den Echo. Nur so könne man verhindern, dass allein Verkaufszahlen ausschlaggebend für eine Ehrung sind. „Um einen Preis zu verleihen, braucht es Preiswürdigkeit“, so Claussen.

Ein Kriterium wie Preiswürdigkeit schließe keineswegs aus, dass Musik weiterhin provozieren dürfe, allerdings gebe es verschiedene Arten von Provokation: „In diesem Fall ging es um dämliche und menschenverachtende“, sagt Claussen. Auch Elio Adler, Vorsitzender der Werteinitiative jüdisch-deutscher Positionen schreibt über die Maßnahmen des BVMI: „Wir erkennen hier weder eine Entschuldigung, dass dieses scheußliche Schauspiel stattfinden durfte, noch eine Entschuldigung zugunsten der Opfer der Shoah.“

Der Musiker Peter Maffay fordert derweil einen gesamten Rücktritt der Echo-Verantwortlichen. „Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen“, schreibt er am Montag auf Facebook. Der Echo sei in den vergangenen Jahren zu einer Veranstaltung verkommen, bei der es nur noch um Geld, Marktanteile und die Selbstdarstellung der Veranstalter gehe. Die diesjährige Verleihung habe „eine Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz“ gezeigt. „Sie war eine Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land“, so Maffay.

Nach dem Auftritt von Kollegah und Farid Bang am Donnerstag hatte Maffay mit einigen wenigen Gästen die Echo-Verleihung verlassen.

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