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Dream Wife Das beste, was dem Punkrock passieren konnte

Texte für Hauswände und Unterarme - Die englisch-isländische Band Dream Wife legt ein famoses erstes Album vor.

Musik
Dream Wife im vergangenen Sommer in Suffolk. Foto: imago

Es gibt schon einen sanften Hype um Dream Wife, die vier Menschen aus Island und England, die sich ursprünglich an der Kunsthochschule trafen und eher in die Band stolperten. Jüngst empfahl sie auch Kollege Jan Freitag bei Zeit Online. Er störte sich etwas daran, dass Dream Wife auch aufs Äußere achten, damit unterliefen sie nicht die Erwartung an musizierende Frauen, es ginge ja immer noch um Sexappeal. Ja, und? Was wäre das für eine Form der Gerechtigkeit und Freiheit, wenn nun Schönaussehen nicht mehr drin wäre, weil männlicher Blick und so? Dream Wife kennen das: „Do I amuse you? Do I confuse you?“

Man könnte das, nach den musikalischen Mitteln aus Pop, Punk und Indie geschaut, für schon x-mal dagewesen halten. Wenn es darum geht, zu begründen, warum das dann doch so gut ist, dann kommt gerne ein Joker ins Spiel: das habe Kraft. Es habe Energie.

Das klingt gut, es lässt sich aber weiterfragen, was man damit meint: Ist es schnell? Heavy? Nein, kann nicht sein, denn davon gibt’s so viel. Hüpfen die viel rum? Gucken sie böse, schreien sie laut, haben sie Muskeln? Man könnte sagen, wer von Kraft spricht, der meint eigentlich, das ließe sich nicht richtig erklären (dann auch gerne: Charisma, Magie usw.).

Ein Ohrwurm nach dem anderen

Also: Dream Wife sind das Beste, was dem Punkrock passieren konnte, weil sie Texte für die Hauswände und die Unterarme schreiben. Lauter scheinsimple Slogans, die so schlau und nachdrücklich sind und dann eben doch offen bleiben, dass man die Urheberinnen als Wahlkampfmanager der SPD einstellen will. Die Welt wäre eine bessere, endlich. Die SPD wieder links, der Punk wieder lebendig.

Sie sind so gut, weil sie so supercatchy sind, dass ich seit Tagen mit Ohrwürmern aufwache, immer einem anderen. Sie sind die Geilsten, weil Gitarristin Alice Go auf so wunderbare Weise gniedelig spielt, dass da genug Funk zum Tanzen ist. Und weil sie diesen Pony trägt. Sie sind es, weil Sängerin Rakel Mjöll sich selbst so geil findet. Wie sie im großartigen Liveclip beim tollen Radiosender KEXP mit erhobenem Haupt ins Publikum schaut, wie sie die Pausen und die Blicke aushält, das taugt zum perfekten Vorbild für alle Vierjährigen und alle Fünfundreißigjährigen dieser Welt.

Dream Wife sind die Besten, weil sie die Spice Girls zitieren. Sie sind wunderbar, weil sie einen grimmigen Song namens „FUU“ über einen Haarschnitt geschrieben haben, der auch als Hymne gegen den Selbstekel durchgeht und einem ganz am Ende des Albums ein Lächeln ins Gesicht prügelt. Sie sind toll, weil sie im März nach Deutschland kommen. Die ebenfalls großartigen Idles aus UK könnten den Support geben. Aber das wäre die Welt, die ja erst noch kommen soll. Später.

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