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DJ Mladen Solomun „Er hat ein Foto von mir am Kühlschrank“

DJ Mladen Solomun über einen großen Fan und wie er darum als erste reale Person in das Computerspiel „Grand Theft Auto“ geriet.

Mladen Solomun.
Und am DJ-Pult steht, virtuell, Mladen Solomun. Foto: Ballyhoo Media

Liberty City ist um eine Sensation reicher: Der DJ und Produzent Mladen Solomun ist die erste reale Person, die als Charakter im weltweit erfolgreichen Videospiel „Grand Theft Auto V“ (GTA V) verewigt wird. Was das popkulturell für die Gamer-Szene bedeutet, war ihm selbst nicht klar. 

Herr Solomun, Sie haben jetzt in einem virtuellen Club von GTA Online eine Residency und spielen quasi vor 95 Millionen Gamern. Was bedeutet das für Sie?
Das ist schon ein bisschen absurd. Ich hatte ja gar keine Ahnung, dass das so eine große Sache ist. Erst als ich meinen Kumpels davon erzählt und deren Reaktionen darauf mitbekommen habe, wurde mir das so langsam klar. Ich bin selbst auch kein Gamer, bin ich nie gewesen. Das volle Ausmaß ist mir jetzt erst seit der Veröffentlichung des Updates klar geworden. 

Was passiert denn da genau mit Ihnen und GTA V? 
Es gibt eine Online-Variante des Spiels, wo man als eigenen Handlungsstrang einen Dance-Club aufbauen und führen kann. Im Hinterzimmer können dann allerlei dubiose Geschäfte gemacht werden. Als Resident-DJ bin dann ich da reingebaut worden, später noch andere DJs wie The Black Madonna, Dixon und Tale of Us. Alles Menschen, mit denen ich auch im echten Leben zusammenarbeite. 

Wie kam es denn überhaupt zu der Kooperation mit Rockstar Games, wenn Sie nicht mal Gamer sind? War das eine von langer Hand geplante Elefantenhochzeit? Also ein Zusammenschluss eines der bekanntesten Computerspiele mit einem der bekanntesten DJs?
Ich hatte offensichtlich im letzten Sommer zwei neue Stammgäste bei meiner Residency im Pacha Ibiza: Sam Houser, den Chef von Rockstar Games und seine Frau. Und nach dem Sommer war er wohl ein noch größerer Fan als vorher und hat seinen Leuten gesagt, die sollen sich mal mit meinen Leuten treffen. Das haben wir dann in L.A. getan. Die haben mir gesagt, dass ihr Chef ein richtig krasser Fan von mir sei. Und ich solle Bescheid sagen, falls ich irgendwas brauche oder irgendeine Idee habe. Ich kannte zu dem Zeitpunkt weder ihn noch Rockstar Games. Aber genug Leute um mich herum waren sofort begeistert. Und so haben wir uns dann ein paar Wochen später auch mal mit Sam und seiner Frau in London getroffen und wir haben uns sofort gut verstanden. 

Und daraufhin hat er Ihnen eine Rolle in GTA angeboten? Das muss ja wirklich ein Fan sein… 
Ist er anscheinend wirklich. Seine Frau hat mir erzählt, dass er morgens immer meine Sets zum Aufstehen hört und sogar ein Foto von mir am Kühlschrank hat. Aber so schnell ging es natürlich nicht, es war ein Prozess des Sich- gegenseitig-Befruchtens, Sam hat das später mal serendipity genannt. Ich kannte das Wort nicht, aber nachdem ich es gegoogelt hatte, musste ich sagen: Schöner kann man es nicht sagen.

Wie kommt man denn in ein Computerspiel – rein technisch?
Die machen das mit dem sogenannten Motion-Capture-Verfahren. Wir haben uns in New York in einem Studio getroffen und dann haben die mich mit zig Kameras gefilmt. Ich sollte mich verhalten wie im Club, also habe ich eben richtig aufgelegt. Und weil ich ja auch tanzen sollte, habe ich darum gebeten, dass wir eine Party ins Studio einladen, damit so etwas wie eine echte Club-Atmosphäre entsteht. Ich kann das nicht so auf Knopfdruck, ich muss da schon den Vibe spüren. Ich glaube, wir haben die Computer-Typen ganz schön ins Schwitzen gebracht. Normalerweise werden solche Motion Captures in Häppchen zu zehn Minuten aufgezeichnet, aber wir haben neunzig Minuten am Stück lang mit denen gefeiert, während 15 Mann an den Computern gestanden und das alles aufgenommen haben. 

Die Zusammenarbeit wird ja auch mit einem Musikvideo im GTA-Stil beworben, zu Ihrem Stück „Customer Is King“. 
Ja, das ist auch das erste Musikvideo, das überhaupt im GTA-Stil produziert wurde. 

Haben Sie den Track extra für das Spiel produziert? Es ist ja gleichzeitig auch die hundertste Veröffentlichung auf Ihrem Label Diynamic. 
Nein, den Track hatte ich schon vorher fertig. Ich hatte einen guten Flow im Studio und gleichzeitig stand die hundertste Release an. Ich habe mir dann Gedanken gemacht, was die Hundert sein soll und irgendwie war es da naheliegend, dass ich die dann selbst mache und eine EP rausbringe. Eigentlich wollte ich das Video so im Anime-Manga-Style machen, mit ein paar Kumpels aus der Ukraine. Die Story sollte sich um einen Lieferservice für Blumen drehen, wo der Lieferant vom Kunden erschossen werden darf, wenn er zu spät liefert. Von daher habe ich dem Track dann den Namen „Customer Is King“ gegeben. Aber dann kamen die Rockstar-Leute eben mit der GTA-Video-Idee um die Ecke. Darin spiele ich einen Kurier, was ja auch zu dem Titel passt. 

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