Lade Inhalte...

Deutscher Pianistenpreis Finalisten setzen auf Tschaikowsky

Beim Deutschen Pianistenpreis in Frankfurt zeigen junge Musiker Genauigkeit und Gefühl.

Hans H. Suh
Der Preisträger Hans H. Suh. Foto: Stefan Hoening

Das Spiel eines Pianisten zu beurteilen sei schwierig, gesteht Jury-Mitglied Lars Vogt, seines Zeichens selbst Pianist, als am Montagabend das Grand Finale des 8. Internationalen Deutschen Pianistenpreises in der Alten Oper eröffnet wird. Neben der Nähe zur Partitur komme es aber vor allem darauf an, ob der Pianist einen erreichen könne. „Es ist die Balance zwischen Kopf und Herz“, so Vogt. Wie diese Balance klingen kann, zeigt eindrucksvoll Vorjahressieger Eric Lu mit einer gefühlvollen Ballade von Chopin. Lu sitzt später ebenso in der Jury.

Als erster Finalist dieses Jahres tritt der Koreaner Hans H. Suh an den großen Flügel. Von den vier vorgegebenen Klavierkonzerten von Brahms, Grieg, Rachmaninov und Tschaikowsky hat Suh sich für das Klavierkonzert Nr. 1 in b-moll, op. 23 des letzteren entschieden.

Im Stück des russischen Komponisten kann der Finalist alle Facetten seines Spiels präsentieren. Deutlich kontrastiert er das weiche, gefühlvolle Piano zu den lauten, im Tempo sehr hohen und eng gebauten Passagen. Immer wieder spielt Suh das Orchester und Dirigent Howard Griffiths an. Deutlich lehnt er sich zum Orchester herüber und übergibt damit nicht nur akustisch, sondern ebenso optisch das Spiel an seine Musikerkollegen. Vor allem in den zahlreichen Frage-Antwort-Passagen des Stücks ist die funktionierende Kommunikation zwischen Orchester und Pianist zu sehen und hören.

So souverän Hans H. Suh in seinem Spiel wirkt, so sehr merkt man ihm in den Spielpausen eine gewisse Aufregung an. Immer wieder tupft er sich den Schweiß von der Stirn oder verstellt seinen Klavierhocker. Der Applaus, der unmittelbar nach dem ersten Satz einsetzt, scheint den Finalisten im zweiten Satz aufblühen zu lassen. Federleicht erklingen die Triller nun. Am Ende des Stücks sitzt Suh mit erhobenen Fäusten am Flügel, bevor er dem Dirigenten dankbar um den Hals fällt.

Nach der Pause dann noch einmal Tschaikowskys Klavierkonzert: diesmal aber in der Interpretation des zweiten Finalisten, Tomoki Sakata aus Japan. Interessant, wie unterschiedlich die Spielweise der beiden Finalisten daherkommt. Auf zwei Leinwänden über der Bühne sind die Hände sowie die Mimik des Pianisten während des Spiels zu sehen. Sakatas Finger fliegen über die Klaviatur und scheinen die Tasten kaum zu berühren. Trotz seiner geschlossenen Augen ist zu sehen, wie sehr er mit dem Stück mitgeht. Auch scheint er entspannter zu sein als zuvor Suh.

Die Leichtigkeit seines Anschlags und die Leidenschaft in seiner Mimik scheinen aber nur im zweiten Satz in sein Spiel zu fließen. Die Rahmensätze spielt Sakata mit einer höheren Grundlautstärke, die er nur selten unterschreitet. Die feinen Nuancierungen, die sich bei Suh vor allem in der Dynamik und der Interaktion mit dem Orchester zeigten, sucht man bei Sakata oft. Sein Spiel weist dafür eine viel größere Intensität auf, die im Publikum gespaltene Meinungen hervorzurufen scheint. Auch hier zeigt sich ein Kontrast zwischen optischem Eindruck und Realität, denn obwohl in vielen Gesichtern bei Suh mehr Genuss oder Begeisterung zu stehen schien, erntet Sakata mehr Applaus und Bravo-Rufe und kann schließlich auch den Publikumspreis für sich entscheiden.

Die Jury jedoch schien sich von der Entscheidung des Publikums nicht beeinflussen zu lassen und sich an Vogts Leitsatz vom Beginn des Abends zu orientieren. Den Deutschen Pianistenpreis bekommt am Ende des Abends Hans H. Suh überreicht, der mit Schumanns Träumerei dann auch den Rest des Publikums von sich überzeugen kann.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum