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Deep Schrott Eine raffinierte Form des Anarchischen

Das Basssaxofon-Quartett Deep Schrott musiziert in der Alten Oper Frankfurt mit einer ganz uneitlen Kunstfertigkeit.

Deep Schrott in der Alten Oper. Foto: Achim Reissner

Wenn es hier um eines nicht geht – dann ist es der spektakuläre virtuose Effekt. Da ist vielmehr eine gewisse Sachlichkeit, was nun nicht Kühle meint, vielmehr ist dieser Abend im besten Sinne unterhaltsam. Deep Schrott beanspruchen, „das einzige Basssaxofon-Quartett des Universums“ zu sein. Das ist unter keinen Umständen letztzuverlässig nachprüfbar, kein Zweifel jedenfalls besteht an der exorbitanten Spielkultur des 2008 gegründeten Ensembles um Wollie Kaiser, Andreas Kaling, Jan Klare und Dirk Raulf, den Initiator.

Das Programm, das an diesem Abend im Zuge der Jazzreihe im Mozart-Saal der Frankfurter Alten Oper zu sehen gewesen ist, beginnt mit einer unterschwellig groovenden Version des ohrgängigen Rockklassikers „Oh Well“ von den frühen, bluesorientierten Fleetwood Mac aus den sechziger Jahren. „Buried Alive“ von Andreas Kaling erinnert ein wenig an Apocalypticas 4-Celli-Fassungen von Metallica. Eine Spur von Humor schwingt mitunter mit, da knüpft Deep Schrott an den launigen 80er-Jahre-Postmodernismus der Kölner Saxofon Mafia an – zu der Kaiser und Raulf eine Schnittmenge bilden. Ganz wenige Stücke bloß haben einzelne Mitglieder des Ensembles selber geschrieben, es geht mithin vor allem um Überformungen.

Gewahrt bleibt die bluesig-swingende Stimmung des Dylansongs „Rainy Day Woman“ – mit dem räudigen Refrainchor „Everybody must get stoned“. Der Satz „Saturn“ aus Gustav Holsts populärer Orchestersuite „Die Planeten“, und die Verarbeitung von Spirituals in der Nummer „Our Prayer“ des Free-Jazz-Pioniers Albert Ayler, drei Nummern von Black Sabbath: Ob Holst, ob Metal, ob sphärenflächig oder riffgetrieben – jede Position dieses Abends markiert eine eigene Klangwelt, in einem unorthodoxen Verhältnis der Distanz und Annäherung an die Klangsprache der Originale. Eine uneitle musikalische Kunstfertigkeit ist gefordert, ein solistisches Brillieren nicht.

Dieses grunddemokratisch organisierte Ensemble – es gibt keine hierarchische Aufteilung in den einen Solisten und seine Basslinien- und Riffknechte, die Rollen wechseln Stück um Stück – führt als zentralen Posten unter anderem eine Suite um sieben Lieder von Hanns Eisler in seinem Repertoire. Eisler klingt bei Deep Schrott beileibe nicht so rotzanarchisch wie einst beim Sogenannten Linksradikalen Blasorchester, die Interpretation der noch im Marsch des Einheitsfrontlieds subtilen Musik neigt zuweilen eher zur Klangszene – eine andere, elaboriertere Form des Anarchischen. Grandios.

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