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Curse Mal ein bisschen unvernünftig sein

Der Rapper Curse sorgt in der Frankfurter Batschkapp für eine ausgelassene Stimmung.

Curse in der Frankfurter Batschkapp: messerscharfe Raps und eine rundum perfekte Show. Foto: Imago

Deutscher Rap ist derzeit in aller Munde. Ausgelöst durch eine Textzeile von Farid Bang, wurde eine Diskussion über Gangstarap und Antisemitismus geführt, an der vor allem Leute teilnehmen, die von Rap-Musik eher wenig Ahnung haben (allerdings als Bürger zum Judenhass zu Recht etwas zu sagen haben). 

Dass abseits der Diskussion aber deutscher Rap auch wesentlich mehr zu bieten hat, hat Curse am Wochenende in der Frankfurter Batschkapp eindrucksvoll gezeigt. Der 39-Jährige aus Minden, der mittlerweile in Berlin lebt, ging mit einer klaren Mission auf die Bühne. Er wollte, dass am Ende seines Konzerts alle Besucher gut drauf sind. Das gelang ihm, und zwar eindrucksvoll. 

Das lag vielleicht weniger an seinem typischen Hüftschwung. Das lag schon eher an seiner Bühnenpräsenz, die er auch nach insgesamt 28 Jahren am Mikrofon, davon 18 im Rampenlicht, nicht verloren hat. Vor allem aber lag das an einer rundum perfekten Show, einer Show, die von seinen messerscharfen Raps lebte.

Bestes Beispiel sein Track mit dem schlichten Titel „Rap“ vom Album „Innere Sicherheit“, bei dem er A capella zwischen curse-typischem Liebessong, Parts auf Englisch und verwirrend schnellen Double-Time-Sätzen wechselt, als wäre es das normalste der Welt. 

Wie selbstverständlich wechselt er auch zwischen den einzelnen Stimmungen. Bei „Lass uns doch Freunde sein“ animiert er das Publikum, eine Gasse zu bilden, von links nach rechts zu springen, ganz so, als wäre man hier auf einem Punk-Konzert. Er fleht die Besucher geradezu an, „auch mal ein bisschen unvernünftig zu sein“. Bei „Was ist“ von seinem Debütalbum „Feuerwasser“ wird kollektiv gelallt, steht doch das Feiern unter Alkoholeinfluss im Zentrum des Tracks.

Doch Curse kann eben auch anders. Und es gibt wohl nur wenige Rapper, die es schaffen, ihren eigenen Auftrag, das Publikum gut gelaunt zu sehen, erfüllen, obwohl sie minutenlang über einen toten Freund rappen.

„Kristallklarer Februar – Für P.“, so heißt der Song, den der als Michael Kurth geborene Curse dem Produzenten Patrick Ahrend gewidmet hat. Und so steht dieser Curse, der nach seinem zwischenzeitlichen Rückzug aus dem Rap-Game eine Ausbildung zum systemischen Coach gemacht hat, auf der Bühne, die Musik wabert mystisch und eindringlich durch die Batschkapp, das Publikum ist mucksmäuschenstill – und feiert den „alten Mann“ (Zitat Curse) mit minutenlangen Ovationen. 

Denn Curse, so viel wurde an diesem Abend wieder einmal klar, rappt auch nach all den Jahren und sieben Alben immer noch „so überzeugend, ich kann sogar Schwarzen alles weiß machen“.

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