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Courtney Barnett Souverän bei sich

Courtney Barnett mit umwerfender Haltung im Schlachthof in Wiesbaden.

Dieser Sound! Bei „Hopefuleness“ etwa, einem verhangenen Song, der auch Courtney Barnetts neues Album „Tell me how you really feel“ eröffnet, entsteht der Druck nicht von außen, durch Tempo oder Lautstärke, sondern förmlich von innen heraus. Ein aufgerauter, dichter Klang voller Reibungen, Vibrationen und kleiner Querstände, der unglaublich präsent den Raum einnimmt – selten klang ein Song im Schlachthof in Wiesbaden besser, eindrucksvoller. Und darüber Courtney Barnetts eigenwilliger, sprechartiger Gesang, der etwas Nölig-Gelangweiltes hat, aber zugleich auch etwas Rotziges, Aufmüpfiges.

Seit 2013 die ersten EPs der Australierin erschienen, ist sie der neue Indie-Slacker-Gitarren-Darling oder, wie es der „Rolling Stone“ schrieb: „Sie ist die neue Hoffnung des Rock’n’Roll, falls es so was noch gibt“. Tatsächlich ist sie nach Wiesbaden nicht als Singer/Songwriterin angereist, die Folk, Talking Blues oder dem Americana ein neues Gesicht geben will, sondern eher als Nachfahrin des Grunge. In ihrem Jugendzimmer, so erzählt es die Legende, hingen Poster von Kurt Cobain. Ein Song wie „I’m not your mother, I’m not your bitch“ wirkt fast wie eine direkte Referenz.

Heute ist Courtney Barnett 30 und veröffentlicht ihre Alben auf Milk! Records, einem Label, das sie mit ihrer Lebensgefährtin Jen Cloher betreibt. Sie spielt nach ihren Regeln. Das spürt man auch live. Völlig selbstverständlich, ganz souverän bei sich steht sie auf der Bühne. Da ist nichts Arrogantes, nichts Prätentiöses: „Put me on a pedestal / And I’ll only disappoint you“ singt sie passend in „Pedestrian at best“. Die Besetzung ist geradezu klassisch, Gitarre, Schlagzeug, Bass, manchmal Keys. Völlig straight alles, ohne jede Extravaganz, von ein paar Effektpedalen für die Gitarre abgesehen, die Barnett linkshändig spielt. Lemmy von Motörhead hätte ihre Freude an ihr.

100 Minuten dauert das Konzert, das manchmal Längen hat, sich etwas in Beiläufigkeit verliert und auf der Stelle tritt, aber die Haltung, aus der heraus hier Musik gemacht wird, ist umwerfend. Früher, erzählt Courtney Barnett, „war ich immer in irgendwelchen Bands und spielte dauernd Konzerte in und um Melbourne, wenn ich nicht gerade in Kneipen arbeitete. Und wenn ich hinterm Tresen stand, spielte auch immer irgendeine andere Band.“ Im Grunde ist heute nichts anders. Nur dass ihr dabei inzwischen 1000 Menschen zuhören.

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