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Clueso Vier Jahreszeiten an einem Tag

„Handgepäck I“: Das achte Studioalbum von Clueso ist ein melancholischer Soundtrack für die Reise des Lebens.

Clueso
Clueso, hier live in Berlin. Foto: afp

Was also tun, wenn man nur Handgepäck gebucht hat? Acht Kilo! Mag bei einer Diät viel klingen, beim Kofferpacken – eher nicht. Muss der Strohhut wirklich sein? Und, mal ehrlich, wie oft wird’s in Südfrankreich am Abend schon so kalt, dass die 500 Gramm Überwurfcape mit müssen? Der Kofferinhalt erzählt viel über seinen Besitzer. Die einen würden im Urlaub jeden Tag die Kleidung waschen, um nicht auf den 736-Seiten-Roman zu verzichten. Die anderen lieber das Hirn drei Wochen ausschalten, als für Strandlektüre die sechs Bikinis daheim zu lassen. Und im Leben? Auf der langen Reise, die wir eines Tages angetreten haben – Ziel unbekannt. Was ist da wirklich wichtig?

Clueso, bürgerlicher Name Thomas Hübner, hat mit seinen 38 Jahren oft darüber nachgedacht. Hat auf all den Reisen und Tourneen, die ihn durch Hits wie „Keinen Zentimeter“ oder „Gewinner“ durch die Lande führten, darüber geschrieben, Melodien dazu ausprobiert, ein paar Takte hier, ein paar Takte da. So entstanden Lieder, kleine Schätze, bisher unveröffentlicht. 18 von ihnen hat er sich nun noch einmal vorgenommen. Hat die meisten Instrumente eingespielt, alles arrangiert, produziert und selbst abgemischt. Nun ist das Ergebnis erschienen. Der Titel: „Handgepäck I“. Er packte seinen Koffer – und nimmt mit?

Einen Soundtrack, der zu jeder Reise passt. Es gibt ja diese Alben, die erwischen uns vom ersten Ton an. „Handgepäck I“, so zart, so schnörkellos, so reduziert auf Cluesos Stimme und sein akzentuiertes Gitarrenspiel, ist so eines. „Vier Jahreszeiten an einem Tag“ ist hier nicht nur ein Songtitel, sondern Versprechen. Das Album hinterlässt ein warmes Gefühl von Sommer, ein wehmütiges Gefühl von Herbst, ein melancholisches Gefühl von Winter, und ein hoffnungsvolles Gefühl von Frühling.

Der Erfurter nimmt uns diesmal nicht mit nach Chicago, sondern nach Paris, in die Wüste, auf dünnes Eis, in die Einsamkeit am Waldrand und wieder zurück in den Trubel, dem man im Urlaub zu entkommen hofft. Die erste Single-Auskopplung „Du und Ich“ ist eine der muntereren Nummern dieses nachdenklich stimmenden Albums, dem man die Entstehung anhört. Man sieht ihn vor sich, den smarten Sänger, wie er nach einem gefeierten Auftritt allein auf dem Hotelbett sitzt und auf den Saiten vor sich hin zupft. „Gib mir was, das ich gebrauchen kann“, fordert er in „Auf Kredit“. Und wirft damit wieder die Frage auf, was das eigentlich ist, das Brauchbare im Leben. Seine Antwort ist simpel und schön: „Ich will, dass du mir etwas gibst von deiner Zeit/ Ich will, dass du mal da bist/ Und zwar gleich“.

Denn was nützt ein ganzer Koffer voller hübscher Sachen, wenn der Urlaub nur zwei Tage währt? Und braucht’s die Reisetasche überhaupt? Der beste Weg, das Leben auszukosten, ist doch der: rausgehen, erleben, ohne unnötigen Ballast. Stattdessen mit offenem Blick für das, was da ist. „Alles, was ich anschaue, nehm’ ich mit“, singt Clueso. Wie gut, dass er daran gedacht hat, es in Liedern festzuhalten.

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