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Christiane Karg in der Alten Oper Die ein und andere Tür öffnen

Kesses, Freiluftiges, Freizügiges: Ein Kammermusik-Abend mit der Sopranistin Christiane Karg und Debussys „Faun“ in der Alten Oper Frankfurt.

06.10.2016 15:45
Bernhard Uske

Farbe entziehen und Kontraste exponieren sind fotografische Verfahren, um die Struktur von Bildflächen zu steigern. Das Gute eines eher farblosen Klangwandlers wie des Mozart-Saals in der Alten Oper kann es da sein, als solch steigernder Farbentzugsraum zu fungieren. Gerade jetzt, wo anlässlich des Musikfest-Themas „Nachmittag eines Fauns“ ständig von Farben in der Musik die Rede ist. Die Neuerungen, die Claude Debussy gebracht hat, sind nicht neue Farben, sondern neue Strukturen und Klangbauweisen. Und eben das ließ sich im Mozart-Saal erleben, wo Christiane Karg zusammen mit Kammermusikpartnern dem Musikfest-Thema ihre vokale Reverenz erwies.

„3 Chansons de Bilitis“ (1889) für Singstimme und Klavier von Debussy sowie „3 Poèmes de Stéphane Mallarmé“ (1913) für Stimme und Klavier, zwei Flöten, zwei Klarinetten und Streichquartett von Ravel waren wichtige Kreationen der Komponisten, die einen gänzlich neuen Ton, einen legeren, einen schweifenden und sphärischen in die musikalische Rhetorik eingebracht haben.

Kesses, Freiluftiges, Freizügiges, das differenziert bis zur kleinsten Klanggeste und dezenten Anspielung sich ereignet. Christiane Karg scheint dafür wie geschaffen: ein Sopran, der sich stark in textliche, stimmungsbeschreibende Bewegungen einspannen lässt. Eine Stimme, die nicht nur ein Gesang ist, sondern ihr Singen für den Sinn des Gesungenen einsetzt. Dabei entstehen dann viele ganz unterschiedliche Resonanzen, denen von den intensiv und doch unaufdringlich agierenden Partnern, allen voran Kargs pianistischem Begleiter Malcolm Martineau sowie dem Hába-Quartett, alles mitgegeben wird.

Mit „4 Poèmes Hindous“ (1912) des 1961 mit 82 Jahren gestorbenen Maurice Delage wurde auch deutlich, wieviel gebahnte Wege durch das Tor in die weite Welt der Kulturen führen, das Debussy aufgestoßen hat. Schönberg hatte eine andere Tür geöffnet, die eher das deutsche Expressive aushärtete, wie man an Anton Weberns fünf Dehmel-Vertonungen bemerken konnte.

Ein Höhepunkt des Abends war der seines orchestralen Kostüms entkleidete „L’après-midi d’un faune“ allein für Flöte und Klavier (von Gustave Samazeuilh). Ein strukturalistischer Triumph in feinster Ausdrücklichkeit, ein fesselndes Beziehungsgeflecht, das die großartige Flötistin Clara Andrada de la Calle sowie die Pianistin Sophie Patey präsentierten. Mit Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“ landete man auf den schönen Teppich ausdrucksgebräuchlicherer Tatsachen.

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