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Bukahara im Palmengarten Ist es okay, wenn wir uns auflösen?

Ein gut gelauntes Konzert von Bukahara im Frankfurter Palmengarten.

Endlich Musik, die zum Wetter passt. Bukaharas wüste Mischung aus arabeskem Singer-Songwriter-Swing und panbalkanesischem Rumpelreggae fegt wie warmer Schirokko von der Konzertmuschel am Frankfurter Palmengarten. Trotzdem bleiben viele sitzen: ist halt heiß.

Man ist vielseitig bei Bukahara: Alle vier haben ein Mikrophon zum Singen. Das Schlagzeug teilen sich Gitarrist Soufian Zoghlami und Posaunist Max von Einem. Oft bedient Zoghlami beim Klampfen das Pedal der Bassdrum, von Einem in Posaunenpausen Snare und Becken. Wenn der Gitarrist zum Vollschlagzeuger wird, muss umgebaut werden: „Leute, kauft unsere CDs, wir brauchen ein zweites Schlagzeug.“ Ahmed Eid wechselt zwischen Bass und Handtrommel Darbuk. Nur Geiger Daniel Avi Schneider hat sein Zweitinstrument, die Mandoline, vergessen. Kurzerhand schrabbt er das Lied „Vogel“ auf der Geige. Dazu muss die Band in eine ungewohnte Tonart transponieren: „Wenn wir das verkacken, das Konzert abbrechen und uns auflösen, ist OK, oder?“ Risiko!

Es ist auch sonst kein felsenfest durchgetaktetes Konzert. „Wir hatten ein krasses Partyset vorbereitet, aber so viele von euch sitzen bei Nudelsalat auf Picknickdecken, wir gehen es ruhiger an.“ Rund die Hälfte kennt Bukahara und steht vor der Bühne. Die Band hätte auch schon mehr „Wums“ gehabt, sagt eine.

Zoghlami hat tunesische Wurzeln, Geiger Schneider aus dem Schweizer Kanton Zug jüdische. Eid stammt aus dem Westjordan-, von Einem aus dem Münsterland. Kennengelernt hat sich das bunte Quartett in Köln. Sie haben Straßenmusik gespielt, Jazz studiert und 2009 begonnen, in WGs und Kneipen aufzutreten. Inzwischen sind drei Alben erschienen.

Dass eine jüdisch-palästinensisch-tunesisch-münsterländische Kombo irgendwie auch für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung steht, versteht sich. Sie singen auch davon: „You can change / but you cannot choose where you come from“ heißt es in „A Child’s Tale“, das als besoffener Schunkelwalzer beginnt. „No!“ von der jüngsten CD eröffnet den Abend, eine Absage an Rassisten und Rechtspopulisten.

Am stärksten wirkt aber nicht der explizite Appell, sondern die Kraft der Musik. Posaune und Geige sind ungewöhnliche Melodieträger. Zwischendurch wechselt von Einem zum Sousaphon, grundiert den Rhythmus. Dem Gesang in drei Sprachen stehen lange virtuose Instrumentalpassagen gegenüber. Zoghlamis Stimme changiert zwischen einem jugendlichen Bob Marley, wenn der Rhythmus jamaikanisch wird, und angekratztem Röhrensound.

Das wilde Gemisch, die gute Laune, die auch mal ins Verpeilte kippende Lockerheit der vier macht mehr Spaß als reinrassiges Musikantengestadel. Nach und nach greift das auch auf die hinteren Reihen über; träges Trippeln wird Tanz. Zum ungeprobten Finale stoßen „Flo“ und „Till“ mit Trompete und Posaune, zwei befreundete Musiker. Das rundet einen charmanten Abend ab.

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