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Blues im Palmengarten Handfeste Würdigung

April King erinnert mit ihrer Hommage „Matriarch of the Blues“ an die große Etta James.

Etta James ist, ungeachtet später Ehrbekundungen mit Grammy Awards und der Aufnahme in die Hall of Fame, heute eher ein Fall für Kenner. In ihrer großen Zeit Anfang der 60er war sie neben Tina Turner die einzige Rhythm-&-Blues-Sängerin, die mit der kürzlich verstorbenen Aretha Franklin künstlerisch ernsthaft zu konkurrieren vermochte. Nach Anfängen im Gospelchor hatte Johnny Otis sie 1954 entdeckt, mit der anzüglichen Rock’n’Roll-Nummer „The Wallflower“ machte sie im Jahr darauf als 17-Jährige erstmals Furore in den R-&-B-Charts. Beginnend mit „At Last“ folgte ab 1960 eine Reihe von Hits auch beim weißen Poppublikum. Langfristig fortzuschreiben konnte sie den großen Erfolg nicht, eine Heroinabhängigkeit mag daran ihren Anteil gehabt haben.

Auch für die in Louisville, Kentucky, geborene und schon lange in Frankfurt lebende April King, als Verehrerin von Janis Joplin bekannt, ist die 2012 kurz vor ihrem 74. Geburtstag verstorbene Etta James natürlich ein Fixstern. Gleichwohl ging sie mit ihrer Hommage nicht den Weg eines am Originalklang orientierten Nachempfindens. James war eine Sängerin vor allem zwischen Rhythm & Blues und Soul – King ist eine (weiße) Bluessängerin. „Matriarch of the Blues“ hieß das diesjährige Konzert von Blues im Palmengarten, veranstaltet in Zusammenarbeit mit der FR und dem Frankfurter US-Generalkonsulat.

Gemeinsam mit ihrem langjährigen musikalischen Partner, dem brillant stilsicheren Gitarristen Matthias Baumgardt, fährt die 52-Jährige eine veritable Rhythm-&-Blues-Band mit dreiköpfigem Bläsersatz und zwei Choristinnen auf. Das Repertoire, sagt sie in einer ihrer spleenigen Ansagen, folge dem als Livealbum veröffentlichten Konzert in San Francisco 1992; da finden sich die berühmtesten Etta-James-Nummern wie „Sunday Kind of Love“, das auch von Janis Joplin gesungene „Tell Mama“ und „I’d Rather Go Blind“. Daneben geläufige Popklassiker wie „Take It to the Limit“ (Eagles) oder – hier als Ballade – „Miss You“ (The Rolling Stones), die sich James zueigen gemacht hatte.

Wo in den Einspielungen von Etta James häufig Streicher für Popflair sorgten, steht in Frankfurt ein kernig-draller Südstaaten-Sound, immer wieder mit Soli des Tenorsaxofonisten Martin Zörb oder des Bluesharpspielers Reiner Lenz als Gast. Die neun Musiker machen Schub; King mit ihrem handfesten Gesangsstil tut ein Übriges. Dann eben doch wieder mit einer Nähe zu Etta James – jener des Spätstils. Es ist nicht die Feinkost, um die es April King geht. Sie hat’s gern deftig. Das verfängt beim Publikum an diesem zum Schluss stürmisch-regnerischen Abend.

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