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Anna Caterina Antonacci Lieber einmal vom Tod zum Leben

Die Sopranistin Anna Caterina Antonacci singt schöne, delikate Charakterstücke in der Frankfurter Oper, begleitet von Donald Sulzen.

Anna Caterina Antonacci
Antonacci, im Hintergrund Pianist Donald Sulzen. Foto: Wolfgang Runkel

In die Nähe eines Monodramas kam der Liederabend mit der italienischen Sopranistin Anna Caterina Antonacci im Frankfurter Opernhaus. Das lag an der eleganten Auswahl, die sich vom Schwinden und hörbaren Untergehen der sterbenden Ophelia bei Hector Berlioz zu den melancholischen bis jammerigen, dabei aber doch gutgelaunten Venedig-Liedern Reynaldo Hahns bewegte. Vom Tod zum Leben, muss man sagen, und andersherum wäre es angesichts des intensiven Vortrags Antonaccis vermutlich schwer auszuhalten gewesen.

Denn die vor kurzem 56 Jahre alt gewordene Opernsängerin ist in Bild und Ton eine meisterhafte Darstellerin nach innen gewandter und darum atemberaubender Traurigkeiten und Verzweiflungen. In der Tat ist sie seit einigen Jahren die hochgelobte Protagonistin in Francis Poulencs Monooper „La voix humaine“, aber auch weiter als Carmen oder (demnächst in Valencia) Werthers Charlotte unterwegs. Sie gehört offenbar zu den Großbühne-Erfahrenen, die sich ohne weiteres auch auf Kammer-Situationen einstellen. Alles war sehr intim, während Claude Debussys mystifizierenden „Liedern von Bilitis“ und einer delikaten Ottorino-Respighi-Auswahl, in der Antonacci umstandslos in einen singenden Erzählton wechselte. Interessant war überhaupt, wie sie klassischen, sehr souveränen, geradezu coolen Schöngesang mit dem Individuellen der Charakterstücke verband, ohne schroff oder exaltiert zu klingen.

Für das letzte Respighi-Stück bot das Frankfurter Hindemith-Quartett eine diskrete, reagible Hülle – ein origineller Fall, wie man hier lernte, da der Komponist den Titel „Sonnenuntergang“ aus einer Reihe Orchesterliedern ursprünglich für diese unorthodoxe Besetzung schrieb. Für den Hauptteil des Abends war der US-Amerikaner Donald Sulzen Antonaccis Begleiter, ein offenbar blendend aufeinander eingespieltes Team.

Nach der Pause wurde es mit Poulencs Zyklus „Die Frische und das Feuer“, fantastischen Vignetten darunter, deutlich munterer. Im herrlichen Gegockel im Zuge von Maurice Ravels „Fünf griechischen Volksliedern“ trat die Komödiantin nach vorne, um es für heute einmal einfach froh ausgehen zu lassen. Am Ende mit einem Hit und Rausschmeißer von Gerónimo Giménez y Bellido über böse Taranteln.

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