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Alte Oper Wenn ganze Passagen aufblühen und strahlen

„Bach goes Bigband“ gibt dem Universalmusiker in der Alten Oper Fülle und dem Programm eine pikante Note.

Bach goes Bigband“ – im Rahmen der Frankfurter Bachkonzerte in der Alten Oper hatte das von der hr-Bigband gestaltete Programm eine pikante Note, ist man dort doch seit langer Zeit nur noch gewöhnt, Bach, den Universalmusiker des Abendlands, im Smallband-Format zu hören.

Zahllos viele, jeweils aufführungspraktisch offensichtlich sehr unterschiedlich informierte Ensembles mit ihrer je eigenen Vision oder Illusion von Originalklang traten und treten da auf. Fast alle geeint in einem sich zwischen Sparsam- und Dürftigkeit bewegenden Klanghabit, gegenüber dem die siebzehn Musiker der hr-Bigband jetzt eine Frontaloffensive der Fülle, der Gestaltungskraft und der Bewegungsintensität darstellten.

Bach vergegenwärtigen, Bach zur ansprechenden Zeitgenossenschaft integrieren – das war wohl das Ziel, dem die Bearbeitungen, Zerlegungen und Nachschöpfungen von insgesamt 18 Werkstücken aus Kantate, Messe, Suite, Konzert, Orgel- und Klavierzyklus dienten. Geschaffen hat sie der langjährige Leiter des Ensembles, Jörg Achim Keller im Verein mit den vielen solistischen Interventionisten des Orchesters mit Posaune, Gitarre, Trompete oder Bass. Ein Könnensbeweis des Frankfurter Ensembles der obersten Klasse.

Er ist überall zu Hause

Der 1966 in der Schweiz geborene Keller ist als Dirigent, Komponist und Arrangeur mit allen Wassern gewaschen und in Oper, Sinfonieorchester, bei Filmmusik und natürlich Jazz, aber auch auf dem Lehrstuhl zu Hause. Einer, der den leichten Gang im fingerschnippenden und fußwippenden Gewerbe des großen Jazzorchester-Sounds meidet und mit Distinktionen, Klangverdichtungen und Gestalt-Umbelichtungen glänzte.

Hat man die schleichende Chromatik in der Alt-Arie der „Widerstehe doch der Sünde“-Kantate je so schlangenhaft und schillernd gehört, das Cis-Dur-Präludium des Wohltemperierten Klaviers wie einen Galopp-Walzer, die Abwärtstreppe der göttlichen Menschwerdung des „Et incarnatus est“ aus der h-Moll-Messe so markant? Die schneidende Blechschärfe der Dissonanz in der g-Moll-Orgelfantasie BWV 542 oder die harmonische Versäuerlichung im allseits beliebten „Wohl mir, dass ich Jesum habe“-Choral oder in der gefälligen Air aus der 3. Orchestersuite? Alles in dem gesättigten, anspringenden Ton des vorgeblich unpassenden Bigband-Bachformats, das entschieden mehr Biss und Plastizität hat als die historistische Kleinkariertheit und Verhuschtheit. Mit Weite, Largesse und Mut, die Töne, Linien, ganze Passagen aufblühen, strahlen oder donnern ließen.

Hier spielte nicht die Verzagt- und Beseeltheit auf, sondern eine Standfestigkeit, die virulent und vibrierend war. Ein vieltönender Wirbel, der den basso continuo, die Stufenharmonik und die Concerto-Interaktion zum Leben brachte.

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