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Alte Oper Prinzipiell mit Biss

Götz Alsmann präsentiert sein ausgefuchstes Rom-Programm in Frankfurt.

DEU Deutschland Nordrhein Westfalen Münster 01 01 2018 Theater Münster Sinfonieorchester Mün
Gotz Alsmann, die steilste Tolle des Münsterlandes. Foto: Rüdiger Wölk (imago stock&people)

Dampfplauderer nannte man Leute wie Götz Alsmann zu Zeiten des Röhrenfernsehers. Weil er erst zum Funk kam, als die großen Samstagabend-Shows bereits ausstarben, schuf er sich seine eigene Nische als Erbe von Showmastern wie Hans-Joachim Kuhlenkampff und Lou van Burg: mit der Kultsendung „Zimmer Frei“.

Der Münsteraner ist jedoch mehr Musiker und Musikwissenschaftler als Moderator. Nach in Paris aufgenommenen Chansons und in New York produzierten Broadway-Songs ist das jüngste Album in Rom – in den Studios, in denen Ennio Morricone seine Soundtracks aufnahm – entstanden. Aber Alsmann bleibt sich treu: Auch sein „In Rom“-Programm in der Alten Oper Frankfurt singt er auf Deutsch.

Da werden Marina, Carina und Bambina besungen, „Volare“ wird zu „Ich fliege“, und von „Azzurro“ bleibt genau dieses eine Wort italienisch, „denn Azzurro heißt blau“, wie einst bei Vico Torriani. Einzelne italienische Wörter – „Arrivederci Roma“, „Che Bambola“ – in ansonsten deutschen Texten sind Ausweis frühbundesrepublikanischer Südsehnsucht.

Denn der Fokus liegt in den fünfziger, sechziger Jahren. VW Käfer karren Wirtschaftswunderdeutsche über die Alpen. Italienische Gastarbeiter in Deutschland eröffnen Eisdielen. Die in Münster-Hiltrup, Heimat des kleinen Götz, heißt San Remo wie das legendäre Schlagerfestival, bei dem die allermeisten Lieder dieses Abends einst zu hören waren.

Schlagzeug, Percussions und Bass sowie den Multiinstrumentalisten Altfrid Maria Sicking an Vibraphon, Klarinette und Trompete hat Alsmann dabei. Er selbst sitzt am Flügel, greift zu Mandoline und Ukulele. Die leicht latinisierten Arrangements sind auf den Punkt gebracht: al dente. Alsmanns Gesang bleibt Teil des Ensembleklangs. Wer genauer hinhört, erkennt, warum er für das Paris-Album den Jazz-Echo als Sänger bekommen hat.

In seinen Ansagen dagegen gibt Alsmann die Rampensau. Zwischen Kalauern und Anekdoten perlen Erkenntnisse zur Geschichte der Popularmusik. Die „Capri-Fischer“ etwa kündigt er als „Hymne der deutsch-italienischen Freundschaft“ an. Die Komposition von Gerhard Winkler bekam in Nazi-Deutschland Sendeverbot, als Italien Waffenstillstand mit den Alliierten schloss. Erst 1946 durfte Rudi Schuricke zwischen Bombenruinen von der roten Sonne im Meer träumen.

Am Ende bringt der Entertainer mit der steilsten Tolle des Münsterlandes statt eingedeutschter Canzones noch Lieder „im italienischen Stil“ zu Gehör, darunter unsterbliche Zeilen einer der erfolgreichsten Combos der Fünfziger, Friedel Hensch und die Cyprys: „Für eine Fahrt ans Mittelmeer / gäb ich meine letzten Mittel her.“ Und die „Capri-Fischer“, die auf dem Weg nach draußen noch mancher vor sich hin pfeift.

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