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Alte Oper Kühles Feuer

Das Venice Baroque Orchestra mit unprätentiösen Teufelsgeigern in Frankfurt.

Mit einem unprätentiösen Teufelsgeigertum und weiteren geschmeidig verbundenen Widersprüchen traten das Venice Baroque Orchestra jetzt in der Alten Oper auf. Die Violinsolisten: Ensemblemitglied Gianpiero Zanocco und der assoziierte Barockexperte Giuliano Carmignola. Das Programm der Frankfurter Bachkonzerte sah eine Bach-Vivaldi-Kombination vor, zuerst aber Francesco Geminianis Concerto grosso in d-Moll „La follia“. Diese nun instrumentell weiter angereicherte Variante der wirklich verrückten Corelli-Variationen, einem Gassenhauer, den man nicht satt bekommt und auch diesmal wieder nicht, ging hier rasant, dabei aber in geradezu nonchalanter Haltung vonstatten.

Dies war einer der Widersprüche, nein, das waren gleich zwei der Widersprüche: Eine Feurigkeit, die angenehm kühl blieb, eine Lässigkeit, die die dargebotene atemberaubende Genauigkeit des Spiels, sowohl des Ensembles als auch der Solisten, eher beförderte als unterlief. Da wenig in eine aufgeregte Bühnenhandlung investiert wurde – dass Geiger und Bratschen standen, führte nicht zu einer auffälligeren Lebhaftigkeit der Bewegungen –, ging alles direkt in die Musik selbst.

Interessant auch, noch ein Widerspruch, die immense Homogenität, erreicht mit minimalen Blickkontakten, kaum bemerkbaren Winks Carmignolas. Das wirkte nicht nur vertraut, das war auch eine Demonstration musikalischer Logik, in die sich alle 14 Akteure einordneten wie in eine ausnahmsweise einmal nicht beklagenswerte Mechanik.

Vor allem Streicherkonzerte von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach wechselten sich nun ab. Brillant entwickelte sich Vivaldis Concerto für zwei Violinen in a-Moll, wobei sich Carmignola als vehementer Virtuose ohne Exaltationen zeigte. Bachs Konzert für Violine g-Moll, BWV 1056, etwas milder und gesetzter, bildete eine reizvollen Kontrast. Ensemble und Solisten traten nicht als Puristen auf, aber mit minimalistischem Vibrato. Keine Schwingung schwebte bloß um des Effektes Willen durch den Saal.

Vivaldis C-Dur-Sinfonie aus „Il giustino“ brachte Operndramatik und Erzähllust ins Programm. Bachs geläufigere Konzerte in a-Moll, BWV 1041, und E-Dur, BWV 1042, anders als das g-Moll-Konzert in originaler Gestalt überliefert, zeigten Ensemble und Solisten auf hohem Niveau, dabei sehr entspannt. Ein irrwitziges Aufdrehen, bei dem es dann auch doch ums Aufdrehen selbst ging, ergab sich eigentlich erst bei der Vivaldi-Zugabe, in der eine bedenkliche Höchstgeschwindigkeit erreicht, aber auch glanzvoll und in Schönheit durchgehalten wurde.

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