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Alte Oper Grubinger Trommeln und klöppeln

Der Schlagzeuger Martin Grubinger bei den hr-Sinfonikern, wo er sich mit einem Friedrich-Cerha-Werkausspielte und austobte.

04.09.2015 16:31
Bernhard Uske
Martin Grubinger im Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester. Foto: Anna Meuer

Es war ein Abend der Schlagzeuger – das Eröffnungskonzert des hr-Sinfonieorchesters der neuen Saison in der Alten Oper. Und es war ein Abend österreichischer Moderne. Der eine Komponist am Anfang, der andere am Ende seiner künstlerischen Laufbahn.

Knapp 90 Jahre alt ist Friedrich Cerha, einer der Nachkriegs-Avantgardisten Wiens, der einem breiteren Publikum bekannt geworden ist durch seine Komplettierung der Oper „Lulu“ von Alban Berg in den siebziger Jahren. Vor acht Jahren hat Cerha ein „Konzert für Schlagzeug und Orchester“ geschrieben. Für Martin Grubinger, den Star unter den zeitgenössischen jungen Schlagzeugern. Er ist heuer Artist in Residence beim Frankfurter Sender.

35 Minuten dichter, vor allem rhythmisch vertrackter Satz wurde von den an diesem Abend blendend disponierten hr-Sinfonikern unter Leitung ihres Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada geboten. Sechs Schlagzeuger des Ensemble befanden sich in Korrespondenz mit den turbulenten Gestaltungen, die der Solo-Stimme abverlangt werden.

Im XXL-Format

Natürlich bewegt sich auch Cerha längst nicht mehr auf dem Resonanzboden der 50er-Jahre-Punktualität seriellen Formats, aber die polymetrischen Bewegungszüge der Stimmen im jetzt durchaus narrativen XXL-Format des Orchesters und Schlagzeugs hatten doch noch viel konstruktiven Elan. Der wirkte, im Vergleich zur Wiener Uraufführung des Werks unter Peter Eötvös jetzt bei der Frankfurter Aufführung entschieden gesteigert. In manchem blieb dabei Raffinesse und Subtilität der Werk-Konstruktion auf der Strecke. Grubinger scheint sich mittlerweile seinen Part so einverleibt zu haben, dass das sich Ausspielen und sich Austoben in den Schlag-Kaskaden stärker geworden ist. Über weite Strecken schien das Orchester-Kollektiv auf pure Klangfüllung reduziert, so deftig ging es zwischen Grubinger und seinen sechs trommelnden, schlagenden und klöppelnden Kombattanten zur Sache.

Dass es bei Gustav Mahlers Sinfonien immer mächtig paukt, pfeift und trompetet, weiß man ja. Aber so gewaltig wie das in seinem sinfonischen Erstling der Fall ist – das verdankte sich als nachdrückliche Erfahrung ganz entschieden Andrés Orozco-Estrada, der seinen fünf Schlagzeugern ein Kolossalgemälde zur Aufgabe gestellt zu haben schien. Dennoch gab es auch wunderbar weich gezeichnete Klangfelder. Zuletzt ein Furioso in bester gründerzeitlicher Glanz-und-Gloria-Herrlichkeit. Insgesamt ein durch und durch positiv gestimmtes Mahler-Bild, das vom wohlvertrauten Weltschmerz-Apostel nichts übrig ließ.

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