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Alte Oper Freude schöner Götterfunken

Ein würdiger Höhepunkt des Semesters: Drei Chöre und das Orchester der Frankfurter Goethe-Universität wuppen kein geringeres Werk als Beethovens 9. Sinfonie. Rund 360 Akteure entfesseln in der Alten Oper einen Sturm der Begeisterung.

Drei Uni-Chöre und ein Orchester treten in der Alten Oper gemeinsam auf. Foto: Uwe Dettmar

Am Ende lagen sich Dirigent Jan Schumacher und Chorleiter Felix Koch glücklich in den Armen. Hatten sie es doch geschafft, gleich drei Uni-Chöre und ein 110 Musiker starkes Orchester, also das ganz große Besteck, zusammen zu bringen, um ein Mammutwerk der Wiener Klassik gut hörbar in Szene zu setzen. Und nicht nur das. Auch das Vorprogramm mit zwei nicht so häufig gespielten Chorwerken von Brahms konnte sich hören lassen.

Was am Sonntag Abend in der Ode an die Freude aus der letzten vollendeten Sinfonie des damals stocktauben Beethovens gipfelte, das begann recht düster mit Hölderlins Schicksalslied und Schillers Totengesang „Nänie“. Da fallen die leidenden Menschen ins Ungewisse hinab, da vergeht das Schöne und das Vollkommene stirbt, ohne dass gnädige Götter dazwischenfahren.

Nicht ganz so tragisch und hoffnungslos wirken diese Verse allerdings in der Brahms'schen Vertonung. Darin sind auch heitere, ja optimistische Töne zu hören, die allerdings nicht unbedingt den unerlösten Menschen, sondern eher den „schicksallosen“ Göttern gelten.

Prächtig akzentuiert manifestierten die Uni-Chöre aus Darmstadt, Mainz und Frankfurt, denen nicht nur Studenten, sondern auch Mitarbeiter, Dozenten und ehemalige angehören, die Meeresklippen, an denen die Menschen wie Brandung gebrochen werden.

Nach der Pause also die erhabene, mächtige Neunte, an der Beethoven drei Jahrzehnte lang bis zur Uraufführung 1824 in Wien gefeilt hatte. Den ersten Satz meistert das Orchester mit Bravour. Da schmettert, was schmettern soll, da fließt, was fließen soll und jubiliert, was jubilieren soll. Gegen Ende schleichen sich jedoch einige Ungenauigkeiten ein, wie zuvor schon in der Nänie, als das Holz ein wenig zu flattern begann. Diesmal ist es das Blech, das Probleme macht.

Im zweiten Satz müssen zunächst die Streicher dem hohen Tempo Tribut zollen. Dann macht sich das eine oder andere Horn selbstständig und gehorcht seinem Bläser nicht mehr. Dafür ist das Instrument allerdings gefürchtet. Selbst absolute Profis wie Felix Klieser haben ein wenig Angst vor dem Eigenleben ihrer „Tröte“.

Amateure mit hohem Anspruch

Zu Recht verweist Gesamtleiter Jan Schumacher jedoch darauf, dass es sich ja um einen außerordentlich großen Klangkörper mit ständiger Fluktuation handelt. Allein beim Orchester spielen jetzt 30 junge Leute, die vor einem Jahr noch nicht dabei waren. „Professionelle musikalische Perfektion streben wir an, wissen aber, dass sie für uns nicht zu erreichen ist. Wir erarbeiten bedeutende Werke mit Engagement und hohem Anspruch, aber es musizieren letztlich doch Amateure zusammen.“

Die verschmerzbaren Misstöne ließ zudem der Schlusssatz vergessen, für den sich die Unis noch professionelle Hilfe in Gestalt der beiden koreanischen Sopranistinnen So-Young Park und Jina Oh, des Berliner Tenors Ferdinand Keller und des Münsterländer Bassisten Johannes Schwarz geholt hatten. Da waren dann alle Akteure wieder im Wortsinn gut beisammen. Insbesondere Beethovens zunächst zögerliche Annäherung an die pure Freude arbeitete das Ensemble exakt heraus.

Das einem Feuerwerk gleichende Finale quittierte das Frankfurter Publikum mit donnerndem und stehenden Applaus. Auch wenn nicht alles perfekt lief, war die gebotene Leistung ungleich ansprechender als das, was die deutschen Nationalkicker kurz zuvor gegen Mexiko geboten hatten.

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