Lade Inhalte...

Alte Oper Frankfurt Wie die Profis

Dass der Frankfurter Polizeichor sich mit seinen Auftritten an prominenter Stelle nicht verstecken muss, hat er schon mehrfach bewiesen. Und dass die Männer – und einmal die Frauen – auch Oper können, zeigten sie am Wochenende.

Vier Chöre, PrimArte und drei Solisten servieren musikalische Erfrischungen zum Gewitterabend. Foto: Tina Hädicke

Es war ein musikalischer Erfrischungscocktail, den rund 150 Sänger und Sängerinnen am Samstag – bei schwüler Gewitterluft und zuckenden Blitzen draußen – im Inneren der Alten Oper servierten. Das Programm enthielt so ziemlich alles an Evergreens, die der Klassikfan sich nur wünschen kann: Mozarts Zauberflöte, Beethovens Fidelio, Wagner mit Tannhäuser und dem fliegenden Holländer, Bizets Carmen, Puccini und schließlich Verdi satt.

Eigentlich ist ja die starke Sängerriege schon für sich eine Macht. Dennoch hatte man sich noch Verstärkung geholt, damit die angestrebte Wucht, insbesondere beim Chor der Minister und Hauptleute aus Aida auch noch den letzten Winkel des Saals durchflutete. Der Liederkranz Rüsselsheim-Haßloch, die „Harmonie“ aus Hainstadt und die „Concordia“ aus Niederbrechen bei Limburg bildeten diesen rein akustischen Klangverstärker. Bei der Arie „Nessun dorma“ aus Turandot ergänzte zudem die 14köpfige Frauenformation den abgewogenen Gesamteindruck, der ein Da capo unbedingt verdient gehabt hätte.

Starke Stimmen, starkes Orchester

Begleitet wurden die kraftvoll, aber ohne jeglichen Grölfaktor agierenden Stimmen vom 60köpfigen PrimArte-Orchester, das sich aus mit Preisen ausgezeichneten Musikern aus Deutschland aber auch mit internationaler Provenienz zusammensetzt. Das Ensemble nahm seine meist dienende Funktion dynamisch, tadellos und routiniert an, zeigte bei den Ouvertüren jedoch, dass es noch mehr drauf hat. Allenfalls wurde an einigen Stellen eine Verstärkung des Schlagzeugs um ein paar tiefe Pauken vermisst.

Zusammengehalten wurde dieser riesige Klangkörper einmal mehr souverän vom Leiter des Polizeichors Steffen Bücher. Sein beinahe preußisch-korrektes Dirigat lässt zwar musikalisch nichts vermissen, aber ein wenig Showeffekt könnte schon sein, wenn man an Kollegen denkt, die mit ihrem Orchester oft ein vielgestiges Tänzchen veranstalten. Bücher dagegen wirkt mitunter, als habe er einen Spazierstock verschluckt.

Gastsänger aus Hawaii und Korea

Und dann waren da auch noch drei Solisten, die den Gesamtsound abrundeten: Die Dirigentengattin, Sopranistin und Gesangspädagogin Marion Bücher-Herbst, die durch ihr zartes und warmes Timbre bestach, auch wenn es ihr an Volumen für einen Saal dieser Größe etwas mangelt. Dazu der gebürtige Hawaiianer Keith Ikaia-Purdy, der vor mittlerweile drei Jahrzehnten den Rheingau zur zweiten Heimat genommen hat und sich als Tenor vor allem an der Wiener Staatsoper seine Meriten verdiente. Und schließlich der zierliche Südkoreaner Johannes Moon, dem kaum jemand seinen kraftvollen und dennoch weichen Bass zutraut. Hinzu kam im Schlusspart noch die koreanische Sopranistin Soomin Yu.

Rein musikalisch also gab es an diesem Abend kaum etwas auszusetzen, zumal der Großteil der Akteure eben nicht professionell auf der Bühne steht. Im Gegenteil. Die Alte Oper hat schon des Öfteren Berufsorchester und -chöre erlebt, die das hohe Eintrittsgeld nicht wert waren. Wenn also Chorchef Eike Schütte den mitgerissenen Zuhörern mitteilte, dass es wohl nie wieder eine so große Besetzung geben werde, kann das Fazit nur lauten: Schade.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen