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Alte Oper Frankfurt Verruchte Briten

Das United Kingdom Ukulele Orchestra lässt keine musikalische Sparte aus – wenn sie nur ins Ohr geht. Das haben die Briten jüngst in der Alten Oper Frankfurt bewiesen.

10.02.2014 17:37
Wolfgang Heininger
Die Musiker und Musikerinnen des United Kingdom Ukulele Orchestra Ukuo. Foto: Yellow

Ein wenig spinnen sie schon, diese Briten! Während wohl kaum anderswo auf der Welt jemand auf die Idee käme, die Ukulele – quasi die kleine Schwester der Gitarre – in einer Musikgruppe ständig als Begleitinstrument einzusetzen, formen die eigenwilligen Inselbewohner gleich ein ganzes Ensemble daraus. Ach was heißt denn hier: ein Ensemble? Mittlerweile gibt es mindestens zwei davon, die sich um den Rang streiten, welches nun das originalste und originellste ist.

Am Samstag und Sonntag war nun das United Kingdom Ukulele Orchestra Ukuo  in Hessen, am Samstag in der Frankfurter Alten Oper und am Sonntag in Darmstadt zu Gast. Nicht oder zumindest fast nicht zu verwechseln mit dem Ukulele Orchestra of Great Britain, das zumindest für sich in Anspruch nehmen kann, bereits 1985 gegründet und damit das ältere zu sein. Und ein wenig ausgeflippter noch dazu, was das Original auch bei jedem Auftritt betont.

Der „hüpfende Floh“

Jenseits dieses Futterneides lassen es beide Formationen an Virtuosität nicht fehlen. Beide bestehen aus je acht Akteuren, davon jeweils zwei Frauen. Da ist es gar nicht so einfach, noch dazu bei der Größe des auch „hüpfender Floh“ genannten Instruments, den gewünschten konzertanten Gleichklang zu erzielen. Das jedoch bekommen beide Ensembles gleich hervorragend hin, auch wenn die Great Britains wohl noch etwas komödiantischer auftreten.

Die Ukulele, die gegenüber der Gitarre nur vier Saiten aufweist, legte einen langen Weg von Portugal nach Hawaii über Neuguinea und die Vereinigten Staaten zurück, ehe sie wieder nach Europa kam und schließlich Kultstatus erreichte. Untrennbar verbunden mit dem Instrument ist natürlich der verruchte Flair, den ihr Billy Wilder in der Mafiakomödie „Manche mögens heiß“ verlieh, als er sie dem unschuldigen Vamp Marilyn Monroe alias „Sugar“ in die Händchen drückte.

Das ist vielleicht auch der Grund, warum die Ukulele bis heute eher dem U-Fach zugeordnet wird, selbst wenn sich damit auch Opern wie die Carmen-Ouvertüre oder Mozarts „A la turka“ oder der Tschaikowskys Tanz der kleinen Schwäne intonieren lassen. Wobei diese Stücke durchaus keinen klassischen E-Charakter besitzen.

Streifzug durch die Jahrhunderte

Den wiederum hatte sich das Oktett mit Mike Oldfields Bells vorgenommen – was musikalisch einen Höhepunkt des Abends darstellte. Ansonsten streiften die Musiker wild durch mehre Jahrhunderte, von höfischem Minnegesang zu Fleetwood Mac, vom Gospel zu Queens Bohemian Rhapsody, vom „Kleinen grünen Kaktus“ zu den Beatles.

Eines haben die „Königlichen“ den „Großen Briten“ jedenfalls voraus. Sie setzen stärker auf die stimmliche Begleitung, und da sie über durchweg gute Sängerinnen und Sänger verfügen, kommt dies dem Gesamtvortrag zugute. Sternchen im Zeugnis verdiente sich dabei vor allem Alan Dawson, der zudem noch einige schwierige Soli auf seinem Instrument mühelos bewältigte.

Die Welt kann also durchaus zwei oder mehrere Ukulele-Orchester von der Insel vertragen. Da verzeihen ihre Fans am Ende sogar, dass sich die Briten in der ehrwürdigen Alten Oper mit einer Jodel-Zugabe des Heidi-Themas aus der gleichnamigen Fernsehserie verabschiedeten.

Das United Kingdom Ukulele Orchestra spielt auf seiner Deutschland-Tournee am 20. Februar in der Komödie in Dresden, am 18. März in der Berliner Philharmonie und am 22. März in Sulzbach im Taunus. Weitere Infos unter: www.ukulele-orchestra.co.uk

 

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