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Alte Oper Frankfurt Space-Sinfonie

Das HR-Sinfonieorchester unter Frank Strobel spielt live zu Kubricks „2001: A Space Odyssey“.

Zuerst dachte Stanley Kubrick an Carl Orff, dessen Carmina Burana er liebte. Doch der lehnte ab. Kubrick beauftragte daraufhin den erfahrenen Filmkomponisten Alex North, der in Hollywood als sichere Bank galt, mehrfach schon war er für den Oscar nominiert. Kubrick kannte North, beide arbeiteten Jahre zuvor schon für „Spartacus“ zusammen, Kubricks ersten großen Kassenerfolg. Doch was North lieferte, war ihm zu blass, zu bieder, zu normal. Für „2001: A Space Odyssey“ brauchte Kubrick etwas anderes. Eine Musik, die genauso neu und radikal war wie seine filmische Vision, die Steven Spielberg später einen „Urknall“ nannte.

Schon im Schnitt experimentierte er mit der Musik Györgi Ligetis, der gerade dabei war, das von seriellen Dogmen geleitete System der Neuen Musik herauszufordern und auf den Kopf zu stellen. Ligetis Musik war einzigartig, ohne Vorbilder. Ihn interessierten Zustände, nicht Ereignisse. Nach außen hin sind Werke wie „Atmosphères“ oder „Lux Aeterna“, allesamt in den 60er Jahren entstanden, statisch, bewegungslos, ohne Ziel. Im Innern aber oszillieren und vibrieren sie, weil Ligeti auf mikroskopischer Ebene unablässig Farbe und Dichte der einzelnen Instrumental- oder Gesangsstimmen verändert.

Für Kubrick war das eine Offenbarung. Nicht nur weil Ligetis Musik eine gleichermaßen faszinierende wie verstörende Wirkkraft hatte, sondern weil sie zugleich offen war für unzählige Assoziationen. Während Ligeti beim Komponieren nach eigener Aussage an Luft dachte, hörte Kubrick eine ins Offene gerichtete, philosophisch-psychedelische Space-Sinfonie. Noch heute, 50 Jahre nach der Erstaufführung, ist beeindruckend, wie genau Ligetis ja durchaus auch sperrige Musik in dieses cineastische Happening passt und wie viel Raum ihr Kubrick einräumt.

In der Frankfurter Alten Oper, die gerade Ligetis „Atmosphères“ ein zweiwöchiges Musikfest widmet, kann man sich das nun in der verschwenderischsten Form anhören. Während auf der Leinwand im Großen Saal Kubricks enigmatisch-visionäres, knapp zweieinhalb Stunden währendes Meisterwerk zu sehen ist, spielen zeitgleich dazu das HR-Sinfonieorchester und das SWR Vokalensemble die Filmmusik. Nicht nur Ligeti, sondern auch die ersten 33 Takte von Richard Strauss ‚Also sprach Zarathustra“ und das Walzerglück von Johann Strauss, zu dem die Raumschiffe minutenlang im Weltall tanzen. Das hat eine immense Wirkung, weil die Musik noch autonomer wirkt als ohnehin und man bald gar nicht mehr weiß, wer hier was verstärkt oder kommentiert. Die Töne das Bild. Oder die Bilder die Musik.

Ligeti selbst war begeistert. Er hielt Kubrick für ein Genie. Doch der hatte nie nach Erlaubnis gefragt. 3000 Dollar bekam Ligeti im Nachhinein. „A Space Odyssey“ spielte 190 Millionen ein.

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