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Alte Oper Frankfurt Elf Freunde müsst ihr sein

Marc Minkowski bietet das Weihnachtsoratorium in Minimalbesetzung. Spannend, aber tückisch.

Zur gleichen Zeit am selben Ort dirigierte vor einem Jahr Thomas Hengelbrock Teile von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit 27 Sängerinnen und Sängern. Marc Minkowski ging nun in der Reihe der Frankfurter Bachkonzerte auf die gegenwärtige Minimalbesetzung: Acht Solisten, dazu vier so genannte Ripienisten – die an den chorischen Stellen die Solisten ergänzen –, und da einer der Basssolisten vor der Tournee erkrankte und James Platt seine Partie absolut souverän mitübernahm, waren’s nur noch elf.

Das ist schon krass und birgt Reize – maximale Transparenz und eine immense Intimität der Musiziersituation – und Risiken, letztere vor allem in einem so großen Konzertsaal wie dem der Alten Oper. Vom Intimen konnte hier vermutlich nur ein Teil der Zuschauer profitieren. Ein Eindruck von Chor entstand unterdessen kaum mehr, gar nicht mehr. Die intensiv gestalteten Choräle litten viel weniger darunter als die komplexeren Chorpartien, die zuweilen geradezu auseinanderzufallen drohten: Eben noch transparent und nun schon ein klapperndes Knochengerüst, eine delikate Gratwanderung. Dafür durfte Minkowski ein Tempo und eine Wendigkeit einfordern, die mit mehr Personal nicht möglich wären. Dann wieder: Will man das „Jauchzet, frohlocket“ wirklich in einem derartigen Schnellgang hören?

Die Soli hingegen waren weitgehend erstklassig. Ideal (klar und doch unaufdringlich) der Evangelist von Valerio Contaldo, den der Tenorkollege Paul Schweinester ebenbürtig flankierte. Angesichts der fabelhaften Altistin Helena Rasker war es eine eigenwillige Entscheidung, den Countertenor Christopher Ainslie das Wiegenlied der Wiegenlieder („Schlafe, mein Liebster“) singen zu lassen. Etwas blasser der Eindruck, den die Sopranistinnen Lenneke Ruiten und Hélène Walter hinterließen. Allerdings standen auch die hervortretenden Sängerinnen und Sänger nie wirklich vor dem Orchester, Minkowskis Les Musiciens du Louvre dominierten immer wieder, und das bei aller Zurückhaltung, feinen Besetzung und ausgeklügelt variierenden Positionierung der Bläser.

Ein in Frankfurt umjubeltes Wagnis, das man trotzdem einmal in einer Kirche erleben müsste. Nach den Kantaten I, II, IV und VI gab es als Zugabe den Eingang zur Kantate V. Wer es jetzt doch wieder üppiger haben möchte, kann sich diese – und die Nummern I, IV und VI – am Sonntag vor Ort mit dem Frankfurter Figuralchor anhören.

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