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Alte Oper Eliahu Inbal Zweifeln, vertrauen, reflektieren

Eliahu Inbal dirigiert beim HR-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt die "Totenfeier" von Gustav Mahler und die "Kaddisch"-Sinfonie von Leonard Bernstein.

13.06.2014 17:19
Bernhard Uske
Eliahu Inbal. Foto: HR/Z. Chrapek

Mit Gustav Mahler begann das letzte Konzert der Saison des HR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt. Eliahu Inbal, der Chefdirigent des HR von 1974 bis 1990, präsentierte den späteren ersten Satz der 2. Sinfonie in seiner Originalgestalt. „Totenfeier“ wurde er 1888 vom Komponisten benannt – eine sinfonische Dichtung aus dem selben Jahr, in dem Richard Strauss „Don Juan“ und „Tod und Verklärung“ vollendete.

Aber nicht der sehr naheliegende Vergleich mit dem diesjährigen Jubilar des Musiklebens wurde thematisiert, sondern die Beziehung zu Leonard Bernsteins 3. Sinfonie, die den Titel „Kaddisch“ trägt. Jenen Namen des feierlichen jüdischen Lobgesangs, der auch über die Toten gesprochen wird. Die Sinfonie von 1961/77 ist ein Oratorium mit großer Sprecherrolle sowie Chören und Vokal-Solist.

Im sinfonischen Gehäuse

Im Vergleich zum Referenz-Werk aller musikalischer Auseinandersetzungen mit der Shoa, Arnold Schönbergs achtminütigem „Ein Überlebender aus Warschau“, ist Bernsteins Format breit und musikalisch eher dürftig. Das sinfonische Gehäuse ist über 45 Minuten lang eine Art Reflexionsraum und Klagemauer für den fast ununterbrochen gesprochenem Text. Die Musik beschränkt sich auf atmosphärische und idiomatisch steuernde Farb- und Formgebung, die mal geräuschhaft-illustrativ, mal tänzerisch oder hymnisch ist.

Der Sprechertext stammt von Samuel Pisar, einem Überlebenden von Auschwitz, den der Komponist noch kurz vor seinem Tod mit der Neufassung eines ursprünglich von Bernstein selbst stammenden Textes betraute. Bis heute ist das Libretto ein Work in Progress und wurde vom betagten Autor selber vorgetragen – ohne jede Theatralik und predigerhafte Attitüde. Trefflich sind die Reflexionen verteilt auf Glaubenszweifel und absolutes Gottvertrauen, auf biografische Bezüge und aktuelle Aspekte bis hin zum Dschihad-Terrorismus. Pisar, der in vielen semi-politischen Funktionen tätig ist, fokussierte das Ganze, das von dem fantastisch homogenen und messerscharf artikulierenden Philharmonischen Chor Brünn, den fein gestimmten Limburger Domsingknaben und dem wunderbar gleitenden Sopran Pavla Vykopalová beflügelt wurde.

Das Klangbild, das Inbal in beiden Werken des Abends bescherte, war kompakt und hatte eher ungemischte und etwas kraftlose Farben. Wuchtiges stand neben Flächigem, was bei Bernsteins Text-Klang weniger auffiel als bei Mahler, wo die tektonischen Spannungen des expressiven Profils manchmal blass wirkten.

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