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Alte Oper Das Leise, das Matte und die Farbenpracht

Vilde Frang mit Beethoven, die Luxemburger mit Tschaikowski in der Alten Oper.

Alte Oper
Vilde Frang, Violine, in der Alten Oper. Foto: Ansgar Klostermann

Mit Ludwig van Beethovens Violinkonzert in einer sehr ruhigen Darbietung eröffnete nun auch der Konzertveranstalter Pro Arte seine Alte-Oper-Saison 2018/19. Nachgerade matt wäre es einem womöglich vorgekommen ohne die sagenhafte Vilde Frang als Solistin, die sich nadelfein ins insgesamt etwas pauschal wirkende Orchestergeschehen schob, ihr Spiel dadurch umso pointierter und delikater und seinerseits ein Beleg dafür, wie messerscharf präzise es an der Grenze zur Hörbarkeitsschwelle zugehen kann.

Interessant, um wie vieles ökonomischer und schlanker das Spiel der Norwegerin wirkte als vor fast genau einem Jahr am selben Ort zusammen mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Mirga Grazinyte-Tyla. Auf dem Programm damals freilich ein anders geartetes Werk, Edward Elgars Violinkonzert. Diesmal, mehr umrundet als eingebettet durch das Orchestre Philharmonique du Luxembourg, geleitet von seinem spanischen Musikdirektor Gustavo Gimeno, blieb das Verhältnis zum Klangkörper unverbindlicher. Sämig zwar und vielleicht lediglich rücksichtsvoll das Tutti, aber ohne markantes Profil, an dem es Vilde Frang nie mangelt.

Ihre Zugabe leitete neckisch – dazu der passende Blick ins Publikum – von der Wiederholung einer kurzen Beethoven-Sequenz hin zu Haydns Kaiserlied. Dessen heutige Funktion als Melodie der deutschen Nationalhymne wurde hier nach allen Regeln der Kunst verkompliziert und damit unaggressiv, aber konsequent außer Kraft gesetzt (wenn nämlich die Kraft einer Nationalhymne doch am ehesten in ihrer Einfachheit liegt).

Erst nach der Pause schlug die Stunde der Luxemburger und sie schlug sehr sanft auf die Pauke zum getragenen Beginn von Peter Tschaikowskis fünfter Sinfonie. Es mischte sich aber nach und nach die Farbenvielfalt ein, die man im ersten Teil vermissen konnte. Filmmusikalische Pracht darunter, aber mit einer nicht zu simplen Schwelgerei, sodann auch ein extrem fein gebauter Walzer. Lebhaft zu vernehmen jetzt die hervorragenden Bläsersolisten, vom Streicherkollektiv vorzüglich in Szene gesetzt. Cinemascope-Format schließlich für das überbordende Finale.

Die Polonaise aus „Eugen Onegin“ war dann zwar wieder die am allernächsten liegende Zugabe, aber unwiderstehlich.

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