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Alte Oper Capuçon Bamberger Bewegliche Bamberger Symphoniker

Und der unaufgeregte Violinist Renaud Capuçon beim Konzert in der Alten Oper Frankfurt, wo nur Debussy etwas mau daherkam.

10.02.2015 16:37
Bernhard Uske

Die Kommentarbedürftigkeit der modernen Kunst beginnt musikalisch mit Claude Debussy. Wäre der dritte und letzte Teil seiner „Images“ nicht mit „Rondes de Printemps“ überschrieben, käme kein Mensch auf die Idee, dass es hier in den Worten des Komponisten um ein „Es lebe der Mai... mit seinen wilden Bannern“ geht.

Merkwürdig blass blieb das Stück nach dem mächtigen und sofort einleuchtenden zweiten Teil mit dem Titel „Ibéria“. Kein Wunder, denn hier sind spanische Rhythmen und Melodien, Straßenlärm und Tanz unmittelbar klangliche Idiome, die sich als Bild bei jedermann niederschlagen. Frühling dagegen: das Erblühen geht eigentlich geräuschlos vonstatten und Vogelgezwitscher gibt es auch im Herbst. Da war Gustav Mahler in seiner 3. Sinfonie doch der bessere Klang-Metaphoriker, der alle Märsche in Bewegung setzte, um den Frühling Einzug halten zu lassen. Bei Debussy war das regelrecht ungekonnt und das Publikum des 4. Sonntagabendkonzerts in Frankfurts Alter Oper reagierte mit seiner Applauszögerlichkeit nachvollziehbar.

Sie haben sich gemausert

Es dirigierte Jonathan Nott seine Bamberger Symphoniker, die sich zu einem der interessantesten Orchester gemausert haben. Phänomenal beweglich waren sie in Klangströmen dort, wo Debussy wie in den iberischen Sätzen die Synthese von Auditivem und Visuellem blendend gelingt. Dergestalt gelungen ist auch Felix Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouvertüre, wo mit Wellenformen Reise-Resonanzen einer komponierenden romantischen Seele sich unmittelbar im Zuhörer verankern und von den Musikern zu gegenwärtiger Atmosphäre gemacht werden konnten.

Renaud Capuçon war Solist in Mendelssohns Violinkonzert – der 38-jährige französische Musiker wirkt wie aus guter, alter Zeit. Unaufgeregt, ohne den Hang vieler seiner Kollegen, jede Partie zu einer olympischen Disziplin des Schneller-Weiter- Höher zu machen. Klassisch im besten Sinn ist dieser Solist, artikuliert und dem Virtuosen-Zirkus sowohl in der ephebischen als auch in der radauhaften Variante abhold.

Die Bamberger und Nott mit ihrem Profil des Deutlichmachens, der Scharfzeichnung und des attackierenden Antritts haben sich jetzt auch des konventionellsten Teils eines jeden Sinfoniekonzerts angenommen: der Zugabe. Zehn neukomponierte Rausschmeißer hat man schon in petto, von denen man in Frankfurt jetzt „Bamberger Tanz“ von Hans Abrahamsen zum besten gab. Ein minimal-haftes Walzer-Geschiebe, das fürs unkonventionelle Orchester-Image bestimmt gut ist.

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