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Alte Oper Auch im Eingetrübten elegant

Lars Vogt als kluger Dirigent und exzellenter Pianist im Frankfurter Museumskonzert.

Die Künste gehen bekanntlich verschiedene Wege, und die Perioden der Literatur und Musik verlaufen oft unterschiedlich. Statt „Sturm und Drang“, wie der literatur-epochemachende Titel eines Dramas Friedrich Maximilian Klingers lautete, kennt die Musik dieser Zeit eher kalkulierende und sophistische Haltungen im Verein mit volkstümlichen und gesangs-affinen Formaten, wofür Joseph Haydn der Trendsetter war.

Wolfgang Amadeus Mozart hat solche Konstrukte in seinem genialen Adaptions- und Verschmelzungstalent zu einheitlichen, theatralisch-ariosen Ausdrucksfeldern auch in der Instrumentalmusik geführt. Die dunklen, affektiv ausgefallenen Werke, wie etwa die „kleine“ g-Moll-Sinfonie KV 183, stehen immer in Gefahr, in irgendeiner Sturm & Drang-Manier gespielt zu werden: schroff, knallig und überrhythmisiert. Davon unterschied sich die Interpretation Lars Vogts beim Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt nun ganz entschieden und traf damit genau die Aspekte bei Mozart, in denen dieser wiederum sich von allen paukenden und gellenden Klangbildungen der Zeit unterschied. Der Gestaltungswert des Charmanten bei ungewöhnlichen Melodiezügen, dabei eher gerundeten und schwingenden Rändern der Verläufe, die Timbre-Legierungen des Instrumentalsatzes: Die Textur des 17-Jährigen ist eben darin ungewöhnlich und nicht in zappeligen Knatterklängen.

Das Museumsorchester, das das Werk mit allen Wiederholungen spielte und es so auf über eine halbe Stunde brachte, hatte die Vogtschen Intentionen offensichtlich begriffen: biegsam, gestisch gebunden und trotzdem nicht verdickt oder beschwert. Auch im Eingetrübten elegant. Das blieb so beim a-Moll-Konzert Edvard Griegs, wo Lars Vogt jetzt am Flügel Platz nahm und als Primus inter pares agierte. Nicht jede freie Sekunde die Hände Richtung Orchester fächelnd, aber die längeren Orchestereinleitungen zu deutlichen Direktiven nutzend. Der Solist setzte nicht auf brillante Drücker, sondern auf einen romantisch-konstruktiven Ton. Dass der Klang eines völlig abgedeckten Flügels zumindest im Parkett nicht optimal ist, wurde am Sonntag auch in der ungewöhnlichen Zugabe (Leos Janáceks „Die Frýdeker Madonna“) deutlich.

Zum Schluss ein orchestrales Saison-Angebot in Gestalt von Robert Schumanns 1. Sinfonie in B-Dur, die den Beinamen Frühlingssinfonie trägt. Schönes Wetter in allen Stimmen mit subtilen Temperaturschwankungen; der weitgehend blaue Orchester-Himmel in wechselnder Bewölkung, mal schattig, mal gleißend hell.

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