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Aljoscha Rompe Feeling Ostberlin

Der DDR-Punker Aljoscha Rompe wäre am 20. Oktober 70 Jahre alt geworden. Sein so einsamer wie tragischer Tod hat das verhindert.

Aljoscha Rompe
Aljoscha Rompe, 1989. Foto: Herbert Schulze (ullstein bild)

Die Vorstellung, dass Aljoscha – dieses alterslose Energiebündel, der Unruhegeist in speckiger Ledermontur, in der DDR die Verkörperung des Unangepassten an alle staatlichen wie auch oppositionellen Regeln – einmal 70 Jahre alt sein würde, war natürlich trotzdem absurd an Tagen wie diesen. Auch wenn seine große Zeit damals, Anfang der 90er, gerade vorbei war; ironischerweise, weil die DDR vorbei war. Aljoscha wusste das im Grunde, machte aber wie immer das Beste daraus. Noch gab es diese Tage und Orte, an denen sich weiter alles um ihn drehte.

„Mix mir einen Drink“, sangen dann die Kleinstadtpunks schon nachmittags vor den Dorfkneipen, an denen noch die einstigen Kultursäle hingen. Aber außer Disco ging hier kaum noch was ab. Es sei denn, die Musiker der legendären Ost-Punk-Band hatten wie in alten Zeiten schon Verstärker und Schlagzeug aufgebaut und wartete nun auf Aljoscha: Dann war Feeling B zu Gast – in der DDR weltbekannt durch das erste Punkalbum, das dort erscheinen durfte; durch die Tauwetter-Kinodoku „Flüstern & Schreien“, die unbewusst den Soundtrack zum Untergang bebilderte; nicht zuletzt aber durch ihren schillernden Sänger Aljoscha, eine der prägenden Wende-Figuren, dessen widersprüchliche Biografie aus heutiger Sicht zu der eines Romanhelden taugt. Und tatsächlich inspirierte er Lutz Seiler zur Titelfigur seines 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten „Kruso“: Die Pointe des Aussteiger-Romans, der zur Wendezeit auf Hiddensee spielt, fußt auf dem ganz eigenen Freiheitsbegriff des Aljoscha Rompe. Am heutigen Freitag nun hätte Alexander „Aljoscha“ Rompe seinen 70. Geburtstag gefeiert. Wäre nicht im November 2000 sein so einsamer wie tragisch symbolischer Tod dazwischengekommen, leider ebenfalls romanreif.

Selbstironischer Derwisch im Dorfgasthof

Die Musiker, die den anarchischen Garagenpunk zu Aljoschas Ausbruchsslogans spielten – „Wir wollen immer artig sein“, „Frusti, mach’s gut!“, „Unter dem Pflaster, da liegt der Strand“ – waren viel jünger. Er war ihr Spiritus rector, ließ sie schon mal aufbauen, bis die bange Frage im Raum stand: Wann kommt Aljoscha? Die Erlösung fuhr an jenen Abenden in Form eines schrottreifen schwarzen Busses vor, heraus sprang Aljoscha, auf den Lippen ein meckerndes Lachen und einen wohlmeinenden Spruch über das Kaff, in dem Feeling B nun spielen würden, als wäre die DDR noch immer eine Insel mit eigener Zeitrechnung, voller Inseln der Subkultur, die man sich nur selbst schaffen müsse: früher am Ostseestrand und bei Privatpartys, in Jugendklubs und Lehrlingsfeten. Und heute löffelte er eben Speiseeis im Dorfcafé, während die Vorbands dilettierten, und fegte danach noch einmal als selbstironischer Derwisch über die Bühne des Dorfgasthofs, weil ja auch schon der Sinn all der Auflehnung gegen die DDR der Spaß am Rausch gewesen war. Nur machte ja am meisten Spaß, was verboten war, und verboten war ja nun nichts mehr.

Aljoscha hatte immer gewusst, dass er sich zwar mit seinen Songs und Aktionen (eine brachte ihn in den 70ern wegen „staatsfeindlicher Hetze“ drei Monate ins Gefängnis) an der DDR abarbeitete – diesen Staat aber gerade deshalb brauchte. Er blieb ja freiwillig da: Privilegiert als SED-Funktionärskind in Berlin aufgewachsen – der Opa war Präsident der Akademie für Rechtswissenschaften, die Mutter Musikerin und Dolmetscherin, der Stiefvater Direktor des physikalischen Instituts der Humboldt-Universität und im Zentralkomitee der SED –, trieb sich Aljoscha schon nach seinem Studienabbruch in den 70ern in Oppositionskreisen herum. Er provozierte den Staat, gründete 1983 seine Anarchocombo Feeling Berlin – obwohl er weder singen konnte, noch Rhythmusgefühl hatte. Keyboarder Flake Lorenz beschreibt die Auftritte heute liebevoll als „Dressurnummer“: Mit Gesten und Zeichen galt es, Aljoscha im Takt zu halten.

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