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Alice Cooper, Johnny Depp Johnny macht Show, Joe spielt Gitarre

Eine prominente Coverband, die es ordentlich krachen lässt: Die Hollywood Vampires in der Jahrhunderthalle.

Ist natürlich ein irres Ding. Alice Cooper! Johnny Depp! und Joe Perry! in einer Band. Und tatsächlich, dieser Abend in der Frankfurter Jahrhunderthalle hat insofern keineswegs enttäuscht, als die seit 2015 bestehende Supergroup Nummer um Nummer ein spektakulär krachendes Entertainment bietet. Dabei handelt es sich um eine Feier der Rockmusik vom alten Schlag. Mit einer standardisierten Show, wie man sie seit den siebziger Jahren von all den hart rockenden Bands her kennt.

Johnny Depp lotet als Gitarrist – im taumelnden Gang wie Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“ – immer wieder die volle Breite der Bühne aus und zieht seine Show in der Nähe der Boxen ab. Herauszuhören ist von dem Gitarristendarsteller allerdings viel weniger als von der Gitarre des Aerosmith-Manns Joe Perry. Es ist allgemein viel der Pose, mit Zusammenkünften der Gitarristen undsofort. Es handelt sich sozusagen um einen nostalgischen Ausflug in die Ära vor dem Punk. Vorvorgestrig – aber amüsant.

Und prachtvoll gemacht rundum. Der große Zeremonienmeister ist der mit siebzig Jahren noch immer stimmgewaltige und körperlich kraftvolle, seinen Stab schwingende und ins Publikum werfende Alice Cooper mit seinem bleich geschminkten Gesicht und der geschwärzten Augenpartie. Neben Originalen vom 2015 erschienenen Album covert die siebenköpfige Band am Anfang Songs der 60er- und 70er-Jahre-Bands Spirit und Love, später spielt sie ein paar von Aerosmith.

Ein zentraler Block gilt der Ehrung der unendlichen Reihe von Toten, die die Rockmusik zu verzeichnen hat. Sie spielen Songs von The Doors („Five to One/Break On Trough to the Other Side)“, AC/DC („The Jack“) und The Who („Baba O’Riley“). In einer geschickten Art sind diese Versionen angelehnt an die Originale, aber es sind eben doch keine Eins-zu-eins-Kopien. Nicht zuletzt auch sind die Hollywood Vampires die am prominentesten besetzte Coverband der Welt. Das Thema Lemmy Kilmister (von Motörhead) handelt der Bassist Chris Wyse mit einer fulminanten Fassung des Krachers „Ace of Spades“ ab. Johnny Depp als Sänger in der Rolle von David Bowie in „Heroes“ – das legt er doch ziemlich cool hin, mit einer gewissen Annäherung an Bowies Timbre. Im Grunde genommen handelt es sich bei dieser drallen Show um ein Rock-Varieté. Selbstredend ist es eine fantastische Tourband gestandener Musiker, die die Hollywood Vampires zusammengetrommelt haben. Sie lassen die Schwarte anständig krachen, von der Inszenierung einer anständigen Show versteht hier jeder etwas. Der ausladende Sound ist ungeachtet des Breitwandformats erfreulich differenziert.

In keinem Fall unterschlagen werden dürfen die als Einheizer engagierten The Darkness. Obgleich erst im Jahr 2000 gegründet, sind die britischen Plünderer des Glam um den seine Stimme immer wieder in ein hysterisches Falsett hochschraubenden Justin Hawkins nicht weniger anachronistisch, aber mit einem gewissen Kick. Sie wirken immer auch wie eine überdrehte Parodie ihrer selbst – das ist sehr lustig.

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