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Alice Cooper in Frankfurt Flammen und Eis

Halloween-Kindergeburtstag mit Alice Cooper in der Jahrhunderthalle.

Alice cooper
Längst ein Gruselspaß-Profi: Alice Cooper. Foto: afp

Das mit dem Schock-Rocker lassen wir mal. Den Beinamen, der an Alice Cooper klebt wie angegammeltes Kunstblut, haben im Überbietungswettbewerb der Übelkeitserreger längst andere erobert. Das mit dem Huhn, dem Cooper 1969 in Toronto live den Kopf abgebissen haben soll, war eh ganz anders, und heute sind eher Scherzartikel auf der Bühne.

Etwa die erste Hälfte der 20 Songs rockt Alice Cooper in der Frankfurter Jahrhunderthalle denn auch ohne größere Gruselinszenierung. Ansagen lässt er bis zuletzt komplett weg, und auch dann stellt er nur rasch die Band vor. Fast zu jedem Titel lässt er sich ein neues Jäckchen reichen; so mancher der Stäbe, Stöcke und Degen des Zeremonienmeisters fliegt ins Publikum.

Fast 70 Jahre alt ist Vincent Damon Furnier. Alice Cooper hieß erst seine Band, bevor er den Namen für seine Solo-Karriere in der Rolle des morbiden, überschminkten Grufttypen übernahm. Körperlich hat er sich gut gehalten, wirbelt in engen Hosen sportlich über die Bühne. Stimmlich lässt sich das nicht so recht beurteilen, denn der Gesang geht im Gitarren-Bass-Drum-Donner etwas unter. Das kann man in der Jahrhunderthalle besser hinbekommen.

Allerdings entwickelt die Band mit Schlagzeug, Bass und drei Gitarren auch ordentlich Druck. Atempausen sind selten, kurz die Soli, lieber spielen die Gitarren unisono oder im mehrstimmigen Satz. Saftiger, fetter Hard Rock. „No More Mr. Nice Guy“ ist gleich einer der ersten Songs, „Billion Dollar Baby“ vom gleichnamigen Erfolgsalbum von 1973 bald hinterher, und auch „Poison“ schafft es in die erste Konzerthälfte.

Gitarristin Nita Strauss, von den Iron Maidens (weibliche Iron-Maiden-Cover-Band) zu Alice Cooper gestoßen, bekommt Raum für ein längeres unbegleitetes Fuddelsolo, und Drummer Glen Sobel zeigt im Duett mit dem Bassisten Chuck Garrick, dass er auch in rasenden Passagen noch die Stöcke jonglieren kann.

Vom straighten Rockkonzert zur Cooper-typischen Mischung aus Halloween und Kindergeburtstag wird der Abend in der zweiten Hälfte. Tochter Sheryl Cooper im Krankenschwester-Fetisch-Kostüm steckt den Papa in die Zwangsjacke und lässt ihn guillotinieren – Freud hätte seine Freude. Für „Feed My Frankenstein“ verwandelt Cooper sich in ein Drei-Meter-Monster.

Den bildet „Eighteen“, Coopers erster Hit vom November 1970, und als Zugabe natürlich „School’s Out“, komplett mit einer Einlage aus Pink Floyds Anti-Schul-Song „Another Brick In The Wall“ – eine Hommage an den Produzenten Bob Ezrin, der (gemeinsam mit Frank Zappa) Alice Cooper entdeckt, aber auch das Floyd-Album „The Wall“ produziert hat.

Flammenfontänen, Trockeneisschwaden und Feuerwerkkaskaden häufen sich Richtung Höhepunkt. Riesenballons über den Köpfen leeren ihren Konfetti-Inhalt aus, wenn sie Alice Coopers Dolch zu nahe kommen. Glitzernde Luftschlangen setzen den Schlusspunkt beim Konzert in der Jahrhunderthalle. Der Kindergeburtstag ist aus. Gibt’s Süßigkeitentüten?

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