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Albert Mangelsdorff Und dann die Musik

Eine Gedenkfeier für Albert Mangelsdorff zum 90. Geburtstag des großen Jazzers.

Ein Platz auf der Frankfurter Treppe, ein Weiher in der Bockenheimer Anlage, ein sehr kommunikatives Foyer in der Alten Oper, ein umfang- und aspektreiches Archiv im Institut für Stadtgeschichte – das ist nicht ganz wenig, aber es ist doch auch nie genug, was von einem bedeutenden Menschen bleibt. Zumal von einem Jazzmusiker wie Albert Mangelsdorff, der sich einer Kunst verschrieben hatte, die eng mit Improvisation, also mit Unwiederholbarkeit zu tun hat und nicht primär auf das Hinterlassen abgeschlossener Werke ausgerichtet ist. Dennoch war Albert Mangelsdorff, mit vorsichtig eingeschränktem Superlativ, einer der international bekanntesten Frankfurter.

Am 5. September wäre er 90 Jahre alt geworden; das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster, in dem sein Nachlass erschlossen und bewahrt ist, nahm das zum Anlass für eine Gedenkfeier. Jürgen Schwab, der vor 14 Jahren hier die Ausstellung „Der Frankfurt Sound“ kuratiert hatte, widmete einen Vortrag unter dem Titel der 1970 erschienenen Quartett-LP „Never Let It End“ Albert Mangelsdorff in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er rekapitulierte seine Entwicklung als Musiker in engem Zusammenhang mit dem Lebensraum seiner Heimatstadt, erinnerte auch an dessen sympathische persönliche Eigenschaften; er verwies auf Bruno Paulots 1993 erschienenes Buch „Albert Mangelsdorff – Gespräche“ als das „immer noch definitive“ Buch über den Künstler, vergaß nicht den Hinweis auf das in Arbeit befindliche Buch von Wolfgang Sandner sowie die Ankündigung, dass das Eröffnungskonzert des Deutschen Jazzfestivals im Oktober ebenfalls Albert Mangelsdorff gewidmet sein und einige seiner Weggefährten auf die Bühne bringen wird.

Und dann die Musik.

Angelika Niescier, die vor einem Jahr den alle zwei Jahre vergebenen Albert-Mangelsdorff-Preis bekommen hat, kam mit ihrer Band Sublim in Trio-Besetzung, zu der noch Christoph Hillmann am Schlagzeug und Matthias Akeo Nowak, Kontrabass, gehören. Angelika Niescier, Saxofonistin, studierte unter anderem an der Folkwang-Hochschule in Essen und erzählte kurz von den Giganten am Horizont ihrer Studienzeit: Coltrane (vor allem der) und Wayne Shorter. Und dann war da plötzlich jemand aus der Nähe: Albert Mangelsdorff, als gleichrangiger Repräsentant der Jazzgeschichte.

Das Konzert selbst war ein eindrucksvolles Beispiel für die facettenreichen Aneignungsfähigkeiten des Jazz in verschiedenen Musiksparten. Es begann mit einer dramatisch komplex gebauten Komposition aus Niesciers 2012 in Köln uraufgeführtem Kundry-Projekt zum 199. Geburtstag Wagners. Es gab Musik, die in Zusammenarbeit mit einem Bergmanns-Chor entstanden waren, es gab zwei Stücke Mangelsdorffs und Stücke aus dem Sublim-Repertoire. Und immer war es unverkennbar die Musik von Niescier und ihrem Trio, das mit seinem dichten, eigenständigen Zusammenspiel die vielfarbige Stimme der Altsaxofonistin, ihre Energie und Raffinesse in Klanggestaltung und Phrasierung stets individuell und charaktervoll inszenierte.

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