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50 Jahre Philharmonie Merck In stürmischen Gewässern

Die Deutsche Philharmonie Merck feiert mit einem Konzert in der Basilika von Kloster Eberbach ihr 50-jähriges Bestehen. Und dokumentiert eindrucksvoll, dass das Selbstbewusstsein des ehemaligen Werksorchester nicht von ungefähr kommt.

05.09.2016 17:54
Stefan Michalzik

Ralph Vaughan Williams ist ein vielgespielter Komponist – in England. In der hiesigen Wahrnehmung ist er der Brexit am Rande des Repertoires. Der Zweiten Wiener Schule stand er uninteressiert gegenüber. Als „All-zu-Spät-Romantiker“ ist der prominente Exponent des britischen Sonderwegs in der Musik des 20. Jahrhunderts geschmäht worden.

Die Basilika von Kloster Eberbach – die Wahl dieses Orts ist natürlich ein Statement, ebenso die Umbenennung in Deutsche Philharmonie Merck (vorher bescheidener Philharmonie Merck). In dem erweiterten Namen, eingeführt zur aktuellen Saison des 50. Jubiläums, manifestiert sich ein gesteigertes Selbstbewusstsein.

Auf reeller Grundlage, wie das Eröffnungskonzert nachdrücklich belegte. Aus dem 1966 als „Der Instrumentalkreis im Hause Merck“ gegründeten Werksorchester hat sich, mit der splendiden Alimentation durch das Pharmaunternehmen als Anschub, ein inzwischen zur Gänze mit Berufsmusikern besetztes philharmonisches Orchester entwickelt – eine Bereicherung des Konzertlebens.

Mächtige Spannung

Vaughan Williams’ 1. Sinfonie mit dem programmatischen Titel „A Sea Symphony“, 1910 entstanden, hat einen singulären Zuschnitt. Die Apostrophierung als Chorsinfonie – nach Versen Walt Whitmans – ist beim Wort zu nehmen: Der Chor ist über alle vier Sätze hinweg Teil der sinfonischen Partitur, zu vergleichen nur mit der im gleichen Jahr uraufgeführten Achten von Mahler. Da ist eine mächtige Spannung und viel Klangmasse; man hört förmlich die metaphorische wilde See.

Mit bezwingender Kenntnis der Williamsschen Idiomatik leitete der junge französisch-schweizerische Dirigent Joseph Bastian das Riesenaufgebot von Instrumentalisten und den ungefähr 120 Sängern von der Darmstädter und der Frankfurter Kantorei.

Der kernig-deklamatorische Vortrag des Baritons Duncan Rock war eindrücklich unmittelbar, da war keine Distanz zu spüren. Die Sopranistin Máire Flavin markierte mit ihrer ausdrucksstark-vollen, tiefen und warmen Stimme einen markanten lyrischen Widerpart.

Viel Gespür für den Atem der Musik bei – ungeachtet der heiklen Akustik – großer Präsenz aller Instrumente offenbarte Bastian in Schuberts „Unvollendeter“ vor der Pause. Die Philharmonie sucht derzeit einen neuen Chefdirigenten – Joseph Bastian hat eine beredt-repräsentative Visitenkarte abgegeben.

Im Radio: hr2, 26. September, 20.05 Uhr.

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