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Marc Malès´ Comic "Die Packard Gang" Die Wahrheit des Film Noir

Eine amerikanische Detektivgeschichte im Stile des Film Noir: Mit "Die Packard Gang" ist Marc Malès eine überzeugende Übersetzung des Genres vom Kino in den Comic gelungen. Von Christian Schlüter

Könnten auch Humphrey Bogart und Mary Astor sein. Foto: Schreiber & Leser

Wer heute amerikanische Detektivgeschichten im Stile des Film Noir erzählt, tut gut daran, am Schwarz-Weiß, den langen und scharfen Schatten sowie dem bewährten Mix aus zynischer Kaltschnäuzigkeit und existentialistischer Verlorenheit festzuhalten. Abgebrühte Helden brauchen das offenbar, denken wir nur an filmische Preziosen wie "Die Spur des Falken" (1941) oder "Frau ohne Gewissen" (1944).

Die Dramaturgie dieser Geschichten scheint nicht sonderlich komplex, denn zumeist läuft es auf die Pointe hinaus, dass sich der Bösewicht als der eigentlich Gute und dieser wiederum als der wahre Böse erweist - also die Grenzen zwischen Gut und Böse mehr oder weniger kunstvoll zum Verschwinden gebracht werden. Das wird gerne mit lebensechtem Realismus verwechselt.

Doch sobald diese Dramaturgie der Verkehrung als bekannt vorausgesetzt werden kann, lassen sich auf diesem sicheren Fundament überaus komplexe Formen des Erzählens errichten. Für den Comic erweist sich die Ästhetik des Film Noir deswegen nicht nur in Hinblick auf die schneidenden Schwarz-Weiß-Kontraste als besonders reizvoll, sondern vor allem auch wegen der erzählerischen Raffinesse.

Marc Malès´ "Die Packard Gang" liefert dafür ein gelungenes Beispiel. Die Geschichte ist schnell erzählt: Vor über 20 Jahren hat eine Bande von Bankräubern die Polizei mit ihrem schnellen Fluchtauto, einem Packard, zum Narren gehalten, bis sie der ehrgeizige Inspektor Jack Barton endlich fassen konnte. Jetzt macht sich Barton auf die Suche nach John Foster, dem Kopf der Bande, der nach der langen Haft zum streng gläubigen Familienvater gewordenen ist.

Barton lässt der eigentlich abgeschlossene Fall keine Ruhe, denn ihn quält eine Ungereimtheit bis zum Wahnsinn: Alles könnte auch ganz anders gewesen sein. Nur Foster weiß, was damals wirklich passiert ist, Erlösung gibt es also nur in der Vergangenheit. In rasanten, zu Beginn nicht gleich erkennbaren und sich erst allmählich erklärenden Rückblenden (sie erscheinen in besonders schroffem Schwarz-Weiß), zeichnet Malès eine Geschichte im buchstäblichen Sinne: Schicht um Schicht trägt er auf - bis zur bitteren Wahrheit.

Dabei führt der französische Zeichner seine Figuren sehr präzise und markant aus. Deswegen bleiben sie, die sich auf ihrem Weg durch die verschiedenen Erinnerungsschichten verwandeln, stets wiedererkennbar: Man kann ihnen folgen und folgt ihnen immer gespannter. Zudem verlässt sich der Routinier Malès auf die Codes des Film Noir, besonders aus dem Off gesprochene Texte haben es ihm angetan, etwa lange Bibelzitate, während die "Kamera" - also die Blickführung - uns über die kleinstädtisch-bäuerliche Szenerie gleiten lässt.

Mit "Die Packard Gang" ist Marc Malès eine überzeugende Anverwandlung gelungen. Comic und Film ergänzen sich in ästhetischer Hinsicht wunderbar.

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