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Maler Max Weinberg Große Ausstellung zum 80. Geburtstag

Eigentlich hätte Max Weinberg Rabbi werden sollen. Der heute 80-jährige kannte aber schon als Kind seine wirkliche Berufung. Zu seinem rundem Geburtstag ehrt ihn die Stadt Frankfurt mit einer Ausstellung.

13.08.2008 16:08
Der Maler Max Weinberg stellt in seinem Atelier in Frankfurt-Sachsenhausen. Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) ­- Eigentlich hätte Max Weinberg Rabbi werden sollen. So sah es die Tradition vor, als der kleine Junge 1935 die Talmudschule in Jerusalem besuchte. Der heute 80-jährige kannte aber schon als Kind seine wirkliche Berufung: "Ich wusste mit sieben, dass ich Maler werden wollte."

Als solcher wird er anlässlich seines runden Geburtstages mit einer besonderen Ausstellung in der Stadt geehrt, in der er seit knapp 50 Jahren lebt und arbeitet. Unter dem Titel "Spielraum der Phantasie" hat der Künstler bis zum 31. August sein Atelier in die "AusstellungsHalle" in Frankfurt-Sachsenhausen verlegt.

Weinberg, der unablässig und bis in die Nacht hinein malt, lässt sich bei seiner Arbeit über die Schulter schauen, erklärt, erzählt und diskutiert. Zu den optischen Reizen der zahlreichen bunten Bilder mit viel Pink und anderen grellen Farben gesellt sich laute Musik, vorzugsweise von "Genosse Beethoven", wie Weinberg seine große Inspiration nennt: "Bei dem ist immer was los." Ein riesiges Porträt des Komponisten ziert die Rückwand der Halle. Wie bei fast allen Bildern, von DIN A 4-Blättern bis zu gigantischen Gemälden, lohnt sich genaues Hinsehen.

In den Graffiti ähnlichen Darstellungen von "Manager mit 400 Blutdruck", "PR-Lady", "Model", "Chefsekretärin" oder "Domina" erkennt der Besucher erst auf den zweiten Blick, wie genau Weinberg mit scheinbar plakativen Methoden Feinheiten des Ausdrucks mit seinem Pinselstrich erfasst. Die Bilder strotzen vor Humor und Ironie, und sind zugleich klare Statements ­ "gegen Gewalt, Sexismus, Rassismus".

Weinberg, der in Leipzig unter dem Titel "Megafett" ausstellte, will "Hemmschwellen abbauen, auch für die, die sonst nichts mit Kunst zu tun haben". Er fordert seine Besucher auf, seine Kunstwerke in die Hand zu nehmen, neu zu ordnen, herumzuwühlen: "Die Leute sind happy, dass hier der Künstler mit ihnen spricht.

Das kennen sie sonst nicht." So bunt wie seine Kunstwerke und seine eigene Erscheinung ist auch der Lebensweg des im Januar 1928 in Kassel geborenen Malers. 1935 flüchtete der Jude mit sieben anderen Familienmitgliedern über Belgien nach Tel Aviv. Als 13-Jähriger verkaufte er dort Bilder auf der Straße und eröffnete 1945 sein erstes Atelier in einer Baracke am Strand. 1948 wurde er zum Militär eingezogen, nach Befehlsverweigerung, Arrest und Hungerstreik unehrenhaft entlassen.

Seit 1954 studierte Weinberg in Tel Aviv Malerei, bevor er sich 1959 zur Rückkehr nach Deutschland entschloss: "Nach dem Abschluss der Akademie sah ich im Nahen Osten keine Perspektive mehr für meine künstlerische Weiterentwicklung." Frankfurt liefert der "Stadtratte", wie Weinberg sich bezeichnet, viele Inspirationen. Aber der quirlige kleine Mann mit seinen bunt besprühten Klamotten und seinem weißen Rauschebart fällt auch auf, wenn er tagsüber oder nachts durch die Stadt zieht.

"Ich bin von einem anderen Planeten", sagt Weinberg, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. "Meine Malerei entspringt meinem Inneren." Viele Bilder sind Kommentare zu aktuellen Zuständen und insbesondere zu Missständen, etwa in der Werbe-, Finanz- oder Medienwelt. Dass bei der Masse der Bilder, bis zu 500 Blätter pro Woche "produziert" er, nicht alles klasse sein kann, weiß Weinberg. "Ich mache sehr viel Schrott, um ein paar Diamanten "rauszupinkeln"".

"Es macht mich happy, die Klischees der Spießbürger durcheinanderzuwürfeln", sagt der Paradiesvogel, der stolz seine Visitenkarte überreicht, und sich über den "Kanalarbeiter" in seiner Ausstellung ebenso freut wie auf die Oberbürgermeisterin. Ihr wird er sicher von seiner Idee erzählen: "Meine große Skulptur "Überirdische Frau" vor der Alten Oper, das wäre die Touristenattraktion." Wenn daraus nichts wird, so hat Weinberg doch mit der großen, vom Jüdischen Museum unterstützten Ausstellung und einem üppigen Katalog, Anerkennung gefunden, die ihn spürbar glücklich macht. Der nun erhoffte "große Durchbruch" käme für den 80-Jährigen keineswegs zu spät. Schließlich will er 120 werden.

(Internet: www.ateliermaxweinberg.com)

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