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Luther-Jahr Playmobil-Luther darf keine Frau haben

Schon lange wird eine Frau an Martin Luthers Seite gefordert - als Playmobil Figur. Doch die Firma will keine Spiel-Käthe herstellen.

Playmobil-Reformator auf Reisen
Luther als Playmobil-Figur, hier vor Ort in Wittenberg (im Hintergrund der Turm der Schlosskirche). Foto: Kirsten de Vos (Evangelische Kirche in Mannheim)

Da haben die Herren und Damen der Kirchengeschichtswissenschaft seit Jahren gepredigt, dass die Reformation keineswegs eine bloße Luther-Story ist; da haben auch die Pastorinnen und Pastoren eifrig darauf hingewiesen, dass evangelische Christen noch immer an Gott und nicht an Luther glauben; da hat selbst die mächtige Zentralbehörde der Evangelischen Kirche Deutschland darauf hingewiesen, dass es keine Gründe gibt, Luther in den Himmel zu lobpreisen. Aber es hilft alles nichts. Das Reformationsjubiläum ist dennoch bloßes Luther-Fest. Martin! Martin! Martin!, schallt es landab landauf.

Das wusste man im fränkischen Zirndorf längst, also ward in der Spielzeugheiligenwelt von Playmobil rechtzeitig zum Luther-Jubel-Jahr ein Plastik-Luther erfunden und einstweilen über eine Million Mal verkauft. Inzwischen ist gottlob die erste Auflage vergriffen, bei der unser Doktor eine aufgeschlagene Bibel in Händen hält, die auf der linken Seite verkündet „Bücher des Alten Testaments ENDE“, was sehr zu Recht bemängelt wurde. Denn dass das Christentum das sogenannte Alte Testament, also die hebräische Bibel der Juden, beendet, sprich: überwunden habe, ist eine Mär, die vor allem unter Antisemiten und Antijudaisten verbreitet ist. Das „ENDE“ ist nun gestrichen und Luther der größte Einzel-Verkaufserfolg in der Playmobil-Geschichte.

Bleibt noch die Frage, warum Katharina von Bora der Eintritt in den Playmobil-Himmel verwehrt wird. Der Wunsch nach einer Spiel-Käthe erschallt länger schon, der Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein hat gar angeboten, die Risiko-Finanzierung für 25.000 Figuren zu übernehmen, Gestaltungsvorschläge gibt es auch. Aber die Zirndorfer bleiben hart: keine Käthe, Luther genügt. Sie wissen eben, dass das Luther-Leitbild der Gegenwart aus der Zeit vor seiner Heirat 1525 stammt. Der rebellische, ungestüme, befreiungsselige Luther: den will das deutsche Publikum. Den späteren, sperrigen, eher ungemütlichen als bewunderungswürdigen Luther will es nicht. Allein, dass er mitten in einem Bauernkrieg geheiratet hat, den er mit brandschatzenden Reden verteidigte, ist ja irritierend genug.

Katharina von Bora darf nicht in den Playmobil-Himmel

Außerdem halten sie sich in Zirndorf streng an die Luther-Lehren. 1542 schrieb er seinem frischvermählten Freund Cranach, der gar nicht mehr ohne seine Frau sein wollte: „Mein Lieber, stell dich nicht so an! Ehe ein halbes Jahr vergeht, wirst du von ihr völlig genug haben, und es wird keine Magd im Haus geben, die du nicht mehr lieben wirst als deine Frau.“ So gesehen: Was braucht es eine einzelne Spielzeugfrau an Luthers Seite, wenn man eh schnell genug von ihr hat.

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