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Literaturnobelpreis Zerfall der Schwedischen Akademie

Eine Erneuerung der Schwedischen Akademie erscheint kaum möglich - der Ruf des Literaturnobelpreises ist schwer beschädigt

Schweden
Die Akademie ist im Zerfall begriffen. Foto: afp

Wenn man mit ein wenig Abstand auf den akuten Zerfall der Schwedischen Akademie blickt, die u.a. den Literaturnobelpreis vergibt, dann tritt dabei ein Kampf um unterschiedliche Vorstellungen von Ehre und moralischer Integrität zutage. Für die eine Version der Auslegung steht Sara Danius, die am Donnerstag vom Amt der „Ständigen Sekretärin“ der Akademie zurückgetreten ist. Sie hatte den Stein ins Rollen gebracht, weil sie angesichts der wiederholt erhobenen Belästigungs- und Korruptionsvorwürfe gegen den französisch-schwedischen Fotografen Jean-Claude Arnault eine rote Linie als überschritten ansah und eine Anwaltskanzlei mit der juristischen Klärung des Falles betraute. Was man so macht, wenn man Unheil auf eine ehrwürdige Institution zukommen sieht. Arnault selbst ist gar nicht Mitglied der Akademie, aber seine Ehefrau, die Lyrikerin Katerina Frostenson, hatte als Akademiemitglied mitentschieden über finanzielle Zuwendungen an einen von Arnault betriebenen Salon. Inzwischen hat auch Frostenson ihren Platz geräumt.

Demissionen mit Folgen. Von einst 18 Mitgliedern auf Lebenszeit verbleiben nur noch elf. Um beschlussfähig zu sein, bedarf es aber zwölf. Der Vergabe des nächsten Literaturnobelpreises ist ernsthaft als gefährdet.

Bei dem Versuch, reinen Tisch zu machen, stieß Sara Danius aber auf die Ehrvorstellung der Fraktion um das Akademiemitglied Horace Engdahl. Der nämlich sah den Korpsgeist der prinzipiell unkündbaren Akademiemitglieder verletzt. Die Gegner von Danius werfen ihr vor, die Dinge nicht im vertrauten Kreis belassen zu haben. Es ist eine aus der Genre-Literatur bekannte Haltung: So etwas regelt man doch lieber intern. Nichts verlässt diesen Raum, sagt dann oft der Patriarch. In wie vielen Romanen mag es Sätze wie diese geben. Preisverdächtig waren diese bislang eher nicht.

Ob die finanzielle Begünstigung für Arnaults Klub juristische Folgen hat, ist ungewiss. Ein Beweis für den Verdacht, die Verletzung der Verschwiegenheitspflicht bei der Kür der Nobelpreisträger für private Zwecke genutzt zu haben, dürfte ebenfalls kaum zu erbringen sein. Auf die alljährliche Nobelpreisentscheidung können Wetten abgegeben werden. Die für Bob Dylan zum Beispiel ergab bei mehreren Buchmachern das Einsatzverhältnis von 50 : 1. Ein schöner Nebeneffekt für den Zugang zu privilegiertem Wissen, aber auch eine gefährliche Wette. Die einst so vornehme Gesellschaft hat den Charakter ihrer Exklusivität und Seriosität nun wohl für immer verspielt. Der Preis bezog seine Legitimation aus der uneingeschränkten Akzeptanz der Tradition. Ein Nobelpreis aber, der nach einem wie auch immer transparenten Verfahren von wem auch immer künftig vergeben werden mag, hat seine Bedeutung verloren.

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