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Wölfe Spiegelbild und Gegenüber

Auf den Spuren der Wölfe durch die Jahrhunderte, durch Geschichten und Legenden. Eine Literaturrecherche.

Wolf
Das Tier in einer bereits älteren und eher grimmigen Darstellung. Foto: istock

Mit dem Tier stimmt was nicht. Man komme ihm also nicht mit dem Wolf, so hat es sich der Mensch seit grauen Vorzeiten immer wieder gesagt. Und so sagen sich die Menschen womöglich jetzt auch in Hessen, seitdem am Montag bekannt wurde, dass es ein Wolf war, der im Odenwald mehrere Schafe und eine Ziege getötet hat.

Wie wird diese Geschichte ausgehen, auch für das Raubtier? Verlockend der Ruf nach Vergeltung, war doch der Wolf das Wesen, das jedem nur denkbar unvorteilhaften Vergleich mit dem Menschen standhielt. Heimtücke, Grausamkeit, Mordlust – er war das böse Tier schlechthin.

Wer jetzt, das Tier?

Jedenfalls war es der Mensch, der ihm systematisch nachgestellt hat. Denn wenn der Wolf nicht verschwand, stimmte was nicht für den Menschen. Deshalb streckte er ihn mit Waffen nieder, deshalb machte er ihm mit tückischen Fallen grausam den Garaus. Deshalb verfolgte er ihn mit vernichtenden Worten. Etwa dem Gedanken, dass der Mensch des Menschen Wolf sei. Warum? Auch weil der Wolf dem Menschen oft eine Projektionsfläche des Bösen war.

Bei der Gelegenheit hat der Mensch immerzu grimmig vom Wolf gesprochen. Meister Isegrim, das war nicht nur so dahingesagt, aber es war noch recht freundlich gesagt. Denn in aller Regel hat das Menschentier vom Tier humorlos gesprochen. Regelrecht verbissen hat es ihn dargestellt. Böse hat ihm das Märchen mitgespielt, schlecht gemacht hat ihn bis ins 20. Jahrhundert die Naturforschung, die weniger eine Forschung war, vielmehr ein ausgelebtes Vorurteil, wenn Friedrich von Tschudi in seinem „Thierleben der Alpenwelt“ meinte: „In der Reihe der tierischen Individualitäten nimmt er eine tiefste Stufe ein, selbst unter den Raubtieren ist er eins der widerwärtigsten.“ Der Wolf ist das Tier, das „Heißhunger“, „Tücke“ und „Perfidie“ verkörpert, „keine Spur vom Edelmuth des Löwen, von der frischen Tapferkeit des Eisbärs, vom Humor des Landbärs, von der Anhänglichkeit des Hundes“.

So kategorisierte der Naturkundler 1875 die Tierwelt, es war ein Aufteilen in Gut und Böse – und dass dabei der Wolf so ungemein schlecht abschnitt, hat mit dem jahrhundertealten Bild von einem Tier zu tun, dass sich der Mensch immer nur als das Andere schlechthin vorgestellt hat. Darauf, auf die Tschudi-Quelle ebenso wie auf das verfestigte Wolfsimage hat vor einem Jahr die Autorin und Journalistin der „Berliner Zeitung“, Petra Ahne, in ihrem klugen und noblen Buch über Wölfe aufmerksam gemacht.

Ihr Plädoyer für ein vielschichtiges Wesen fällt in eine Zeit, in der es nicht erst seit gestern heißt, der Wolf sei zurück. Das ist er seit rund zwei Jahrzehnten, denn in Deutschland, jedenfalls in einigen Bundesländern treibt sich das beinahe ausgerottete Tier seit 1996 wieder herum. Seitdem kann die Immigration des Wolfes allerdings nicht nur als Willkommensgeschichte geschrieben werden. Zu mächtig ist die Vorurteilsgeschichte seit Olims Zeiten, an die Tschudi vor 125 Jahren anknüpfte. Anstelle des Humors, der dem Konkurrenten des Wolfs, dem Bären zugeschrieben wurde, wurden dem Wolf so typisch bestialische Eigenschaften wie humorlose Niedertracht und Mordlust nachgesagt. Mithin womöglich was? Durchaus menschliche Motive, denen tatsächlich jeder Humor abgeht.

Hauptgrund der Humorlosigkeit war die Konkurrenz. Der Wolf war des Menschen Rivale, solange beide Jäger waren. Der Wolf zeigte sich auch darin verhaltensauffällig, dass er sich immer wieder in der Nähe der Menschen aufhielt. „Wolfsrudel“, schreibt Eckhard Fuhr, der sich wahrscheinlich als erster Feuilletonredakteur auf die Spuren von Wölfen begab, „waren die ständigen Begleiter nomadisierender Steinzeitjäger.“

Die Konkurrenzgeschichte hat sich verändert, der sesshaft gewordene Mensch sah sich weiterhin durch den Wolf herausgefordert, weil er unter seinen Haus- und Hoftieren Beute machte. Wie sehr der Wolf als Bedrohung eine feste Größe war, belegen zahlreiche literarische Quellen – und darunter sind nicht nur die Geschichten vom Rotkäppchen oder vom Wolf und den sieben Geißlein.

Ein römisches Sprichwort

Einige Beispiele, einige uralte, ein ganz frisches. Eine alte Quelle stammt von Ovid, aus den Jahren der Zeitenwende, in der der römische Dichter in seinen „Metamorphosen“, seinen Büchern der Verwandlung, die Geschichte einer solchen Umgestaltung erzählt. Entschuldigung, aber dann ist die Stelle bei Plautus älter, rund zweihundert Jahre älter als die Geschichte bei Ovid. „Homo homini lupus“, so heißt es bereits bei dem römischen Komödiendichter: Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Mit der Wolfsnatur des Menschen stimmte was nicht, und das war nie Jägerlatein. Vielmehr wurde der Gedanke zum römischen Sprichwort, populär genug, dass es der englische Staatsdenker Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert aufgriff. Erneut wurde der Pessimismus über den Naturzustand des Menschen, die vermeintliche Wolfsnatur des Menschen zu einem geflügelten Wort – aber zurück zu Ovid, wo er doch er erzählt, wie der König Arkadiens, Lycaon, von einem erzürnten Zeus in einen Wolf verwandelt wird, nachdem der Gott dem Sterblichen dahintergekommen ist, dass dieser ihm zum Mahl Menschenfleisch aufgetischt hat.

Rund drei Jahrzehnte später ist es die warnende Stimme eines Heilsbringers, die des Hirten einer kleinen Schar von Jüngern, der seine Anhänger, bevor er sie endgültig sich selbst und der Tücke der Welt überlässt, vor der Schliche, ja Hinterhältigkeit der Wölfe warnt.

Jesus?

Er nutzt seine „Bergpredigt“, um vor den listigen Kündern im falschen Gewand zu warnen: „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe“. Am Anfang ist das Wort vom Wolf im Schafspelz, und dieses Verwandlungsmotiv, ist zum Topos in der abendländischen Wolfslegende geworden, einer Schauergeschichtsschreibung, in der sich Erfahrung und Fiktion überlagert haben. Dass die unheimliche Präsenz des Wolfs eine keineswegs bloß erfundene war, wer wollte das bestreiten? Nicht dass es schreckliche Erfahrungen mit Wölfen nicht gegeben hätte. Allein, die Begegnung mit dieser Individualität der Natur ist vielfach ins Übernatürliche gesteigert worden.

In deutschen Märchen frisst der Wolf Menschen

Auch deshalb löste seine reale Gegenwart Angst aus, zumindest Anspannung – anstelle der fundamentalen Ablehnung aber war der Wolf doch auch ein anziehendes Wesen, also durfte er Erzählungen und Epen (wie gesagt, Goethes Meister Isegrim!) durchstreifen. Wölfe in der freien Natur legen ohne weiteres 60 Kilometer pro Tag zurück, das Revier der Literatur hat sie ebenso enorm ausgreifen lassen.

Im deutschen Haus- und Hofmärchen frisst der Wolf Menschen, in der nordischen Mythologie ist es noch weit schlimmer, wenn der Riesenwolf Fenris gar Sonne und Mond verschlingt. Er ist eine entsetzliche Schicksalsmacht.

Ein weiteres Beispiel. Soeben lässt Daniel Kehlmann durch seinen Roman „Tyll“ immer wieder Wölfe irrlichtern. Gleich den Räubern und Marodeuren streunen die Bestien durch menschenleere Landstriche. So heften sie sich an die Fersen der Menschen, und vom Hunger getrieben fallen sie gar in Haus und Hof ein.

Auch diese Erfahrung aus dem Dreißigjährigen Krieg, dem Trauma der Deutschen aus verschiedenen Gründen, hat das kollektive Gedächtnis über Wölfe für Generationen geprägt. Bis heute? Der Wolf ist das Raubtier, das den Menschen bis in die eigenen vier Wände verfolgt. Er ist der Menschenjäger nicht nur in der freien Wildbahn, und immer wieder war es der menschengemachte Krieg, der Ungeheuer gebar, so auch die Grande Armee. In Russland geschlagen folgten ihr die Wölfe, die sich über die zurückbleibenden Verwundeten oder Toten hermachten, von Moskau bis nach Preußen.

Der Wolf ist wahrhaftig nicht nur in der Fiktion über wehrlose Alte hergefallen und hat sich an unschuldigen Mädchen vor allem im Märchen vergangen. Er ist die lüsterne Bestie. Er riss nicht nur Tiere, wilde Widersacher, gezähmte Nutztiere und treue Haustiere, es war vielmehr der Wolf, der als Teufel in Tiergestalt auftrat. Er war die sexuell gierige Kreatur. Die Legenden ließen Schreckensgestalten durchs Land ziehen, und eine grauenvolle Gerichtsbarkeit berief sich bei ihrer Jagd nach Ketzern oder ihrer Hexenjagd ausdrücklich auf das Aufstöbern und Ausmerzen von Werwölfen. Dermaßen angestachelt, musste der Mensch nicht zum Jagen auf den Wolf getragen werden.

Schon in England war er um 1500 nicht mehr aufzutreiben. Die Jagd auf den Wolf war hier wie überhaupt in Europa kein Privileg des Adels, anders als alle anderen Wildtiere, die bei Strafe durch die Obrigkeit nicht erlegt werden durften, war der Wolf für jedermann Freiwild. Wenn der Wolf nicht verschwand, stimmte wirklich was nicht.

Denn damit wurde nicht nur sein Abschuss legitimiert, sondern eine Vernichtungskampagne, die sich bis ins letzte Jahrhundert fortsetzte. Selbst in den Naturreservaten des 20. Jahrhunderts wurde das Tier lange nicht unter Schutz gestellt, sondern war weiterhin zum Töten freigegeben. Er hatte einfach zu viel auf dem Kerbholz, so das Gerücht, denn zur Kulturgeschichte von Mensch und Wolf gehörte lange Zeit, dass die Zivilisationsgeschichte des Menschen die Naturgeschichte, basierend auf dem Naturrecht eines Raubtiers, ignorierte. In diese Richtung haben in den letzten Jahrzehnten Wolfsforscher argumentiert, Biologen, Zoologen, Menschen, die dem Wolf zugewandt sind nicht aus sentimentalen, sondern aus ökologischen Gründen.

Und wenn ein Wolf nicht verschwindet?

Stimmt tatsächlich was nicht.

Wenn sich das vorsichtige Tier nicht verzieht, dann weil es Hunger hat oder die Tollwut oder aber durch Menschen „futterkonditioniert“ wurde, wie die Wolfsforscher Günther Bloch und Elli H. Radinger in ihrem Buch „Der Wolf ist zurück“ plausibel machen. Wenn Kenner des Wolfs überzeugen wollen, berufen sie sich auf ein realistisches Wolfsbild, ein extrem scheues Raubtier. „Wir sollten froh sein“, das vielleicht der zentrale Satz des Autorengespanns, „dass der Wolf sich eigentlich nicht besonders für uns interessiert, und ihn deshalb einfach in Ruhe lassen.“

Eingestandenermaßen sind Bloch und Radinger eindeutig auf der Seite des Wolfs, also leugnen sie nicht dessen Raubtiernatur. Doch sie sprechen nicht hysterisch, sondern argumentieren statistisch mit 59 Wolfsangriffen zwischen 1950 und 2000 in Europa. Unbestritten ist ebenfalls, dass, wenn sich die Gelegenheit bietet oder ihm die Gelegenheit geboten wird, der Wolf in Schafherden einfällt oder andere Nutztiere reißt - wie jüngst auch im Odenwald. Kein Kenner des Wolfes, der die Erfahrungen von Schäfern oder Bauern leugnete, zum professionellen Wolfsmanagement in den Regionen mit den in Deutschland etwa 60 Wolfspopulationen gehört, Schäden durch Wolfe nicht abzustreiten, sondern realistisch einzuordnen. Tatsächlich kam das Tier „auf eigenen Pfoten ins Land zurück“ (Bloch/Radinger), durch Rückwanderung aus dem Osten machte er seine fast völlige Ausrottung rückgängig, seitdem streift er durch die deutschen Lande, und dazu zählen ausgerechnet Truppenübungsplätzen oder ehemalige Bergbaulandschaften. Der Wolf ist nicht nur ein wildes, er ist ein extrem anpassungsfähiges Wesen. Sein Revier ist nicht nur der dichte und dunkle Wald.

Das Tier ist Gegenüber und Spiegelbild zugleich

Bauern und Schäfer verstehen den Satz, der Wolf sei in Deutschland wieder heimisch geworden, naturgemäß humorlos. Denn natürlich muss man keinem Bauern und keinem Schäfer oder Jäger mit Geschichten kommen wie der wohl berühmtesten Wolfsgeschichte, der respektheischenden von der Urmutter Roms, der Wölfin, an deren Zitzen die Romgründer Romulus und Remus hingen. Auch das ist ein Mythos, von Wissenschaftlern widerlegt wie die Geschichte vom Wolfskind Mogli belegt, im indischen Dschungel aus Disneyland.

Abgesehen von solch fabelhaften Geschichten friedlicher Koexistenz – wo auch immer sich Mensch und Wolf begegnet sind, war jahrhundertelang Spannung in der Luft. In dem Maße, in dem jener die Natur kultiviert hat, steigerte sich der Hass auf den Wolf. Im Laufe der Zivilisierung der Natur, die ja ein Prozess ihrer Zähmung war, wurde die Ausrottung des Wolfes als mitlaufender Fortschritt verstanden. War der Wolf nicht Freiwild, stimmte etwas nicht.

Seine zugleich ungemein soziale Natur hat den Wolf keine Gnade finden lassen. Wolfsjagden haben nichts mit der Hege und Pflege eines ökologischen Gleichgewichts zu tun, das Vorgehen gegen den Wolf war ein systematischer Feldzug, noch heute sind Wolfsjagden eine alles andere als harmlose Leibesübung, sondern eine auch hämische und lüsterne Ertüchtigung.

Der Wolf, dieses „uralte Gegenüber“, so Eckhard Fuhr in seinem vielschichtigen Buch, verkörpere das „klare Kontrastprogramm zu den Hysterien, die sie bei ihren menschlichen Zeitgenossen mitunter entfachen“. Zugleich verkörpert dieser „Andere“ ein Spiegelbild, die Bestie als uneingestandenes Selbstbild. Beide Gedanken sind in den letzten Jahren immer wieder ins Feld geführt worden, um die weiterhin ungeheure Aggression gegenüber dem Tier zu erklären.

Oder das Unbehagen. So hat kürzlich das Fernsehen Eltern aufgespürt, die in deutschen Landen am Waldesrand leben, und ihre Kinder nicht mehr vor die Tür schicken. Haben sie zu intensiv „Rotkäppchen“ gelesen – oder muss man die Urängste verstehen? Tatsächlich sind Wölfe, so versichert etwa der Tierfotograf Axel Gomille, nicht nur „extrem scheu“, vielmehr habe er als Zoologe „bei über 200 Begegnungen keine einzige brenzlige Situation erlebt“. Tagelang habe er für seine Fotosafaris angesessen, er habe Wölfe heulen gehört, während er „mitten unter ihnen saß, ohne auch nur einen von ihnen zu sehen“. Mitten unter ihnen, das ist alles andere als einfach. Ich möchte einem Wolf nicht nah sein. Eine jähe Begegnung bei einem Waldspaziergang – nichts für mich. Den TV-Service, der im Fall einer unvorhergesehenen Begegnung zu lautem Klatschen riet, möchte man gar nicht erst auf Herz und Nieren prüfen. Bloch und Radinger jedenfalls gehen nie ohne Pfefferspray in unübersichtliche Reviere.

Das menschliche Ich herausfordern

Der Wolf ist das Wesen, das das menschliche Ich herausfordert. Einen weitgehend domestizierten Wolf an mir herumschnüffeln oder, ebenfalls unter den Augen eines Wolfshüters, über das Gesicht lecken zu lassen, mag ich mir nicht vorstellen, nicht einmal als Zeichen von Vertraulichkeit. Andererseits, allein der Kitzel seines Fells soll unwiderstehlich sein, und wie sehr das Unwiderstehliche, eine numinose Kraft, das Animalische an ihm verlockend ist, hat die Ausnahmepianistin Hélène Grimaud in ihrem Wolfsbuch beschrieben. Der Text ist nicht nur eine existentielle Aussprache, er wurde auch als eine erotische Erzählung gelesen. Es ist nicht beißender Sarkasmus, aber doch Spott, wenn Eckhard Fuhr über die Anzahl autobiografisch-feministischer Wolfsbekenntnisse schreibt: „Die Frau scheint zu lernen, den Wolf als Ressource weiblichen Selbstbewusstseins zu nutzen. Dem Manne hingegen schwimmen die Felle davon.“

Der Wolf als Projektionsfläche. Auch deswegen hat der Mensch den Wolf immer wieder verkannt, und der Städter, der ihn heute, aus der Distanz, sentimental beobachtet, verklärt ihn als das „ultimative Symbol von intakter Wildnis“ (Bloch/Radinger). Das Tier ist kein Haustier, der Wolf ist als Raubtier richtig beschrieben, selbst in einem Gehege bleibt er unberechenbar. Wer schon möchte einen Wolf auf den Fersen haben, ob nun auf dem Rücken von Fury, in der amerikanischen Prärie, oder auf einem Schlitten, in der russischen Winterlandschaft? So sehr man sich auch über die Rückkehr der „Heimkehrer“ freuen könne, schreibt Fuhr, das dürfe „nicht dazu führen, dass man sie die Spielregeln bestimmen lässt“. Allemal in Siedlungsnähe „wäre es besser, sie zu verjagen, als sie zu bestaunen. Ob man sie tatsächlich irgendwann auch jagen muss, um sie scheu zu halten, wird sich zeigen“.

Die Wölfe scheu halten! Das ist eine wahrhaftig treffliche Formulierung, wenn es um das Verhalten gegenüber den Heimkehrern geht. Zum realistischen Blick gehört, dass der Wolf sich der Eindeutigkeit entzieht, die der Mensch immer wieder über die Natur verhängt, um sie beherrschbar zu machen. Seine mangelnde Eindeutigkeit ist dem Tier zum Verhängnis geworden, und dabei ist ihm das Zwielichtige nachgesagt worden.

Tatsächlich ist der Wolf mehrdeutig, er ist auf seine besondere Weise ambivalenter Natur, dabei fremd, anders. Das kann dann nur bedeuten, dass es sich bei dem Tier um eine Verkörperung der Poesie der Natur handelt.

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