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Vögel Twor twor twor twor twor twor tih!

Der Gesang der Nachtigall und andere wunderbare Details aus der Welt der Vögel in einem erstaunlichen Buch, das selbst Seitenzahlen nicht unbeachtet lässt.

Die Wege der Gänse. Foto: REUTERS

Das habe ich noch nie gesehen: Unten auf der Seite, neben jeder Seitenzahl, steht ein kleiner Text. Zum Beispiel: „70 So viele Vögel hat US-Vizepräsident Cheney an einem Jagdtag geschossen“ oder „144-mal schlägt das Herz einer ruhenden Krähe in 25 Sekunden“. Natürlich blättert der entzückte Leser jetzt erstmal unten durch das Buch. Die Seitenzahl ist eben mehr als eine Seitenzahl.

Das ist der Geist dieses Buches: sehr präzise, detailfreudig und immer mit einem Blick auf das Mehr. Die bewundernswerte Übersetzung und Bearbeitung Arnulf Conradis ist jetzt in einer aktualisierten Neuausgabe erschienen. Welche Tomaten hatte ich 2008 auf den Augen, dass ich das Buch, als es bei Hoffmann und Campe erschien, übersah?

Man liest sich also fest: Die kleinen Zitate, die kurzen und die etwas längeren Abschnitte über das Schicksal der fast ausgestorbenen, dann wundersam erretteten Laysanente – von der ich hier das erste Mal erfuhr – oder über jene Gruppe – ein Schwarm, sagt man – von Graugänsen, die in Gloucestershire brütete, sechshundert Kilometer weit nach Glasgow flog zur Mauser und als die neuen Federn gewachsen waren, wieder sechshundert Kilometer zurück flog. Kein Mensch weiß warum.

Ganz hinten im Buch eine kleine Bemerkung, die geeignet ist, einem den Kopf für eine ganze Weile zurechtzurücken: „Wenn dein Kanarienvogel dich Zeitung lesen sieht, glaubt er dann, du sitzt nur da und starrst auf den Teppich?“

Clarence Nash kannte ich nicht. Dachte ich. Aber jeden Sonntagmorgen, wenn mein Vater mit mir ins Aki im Frankfurter Hauptbahnhof ging, hörte ich seine Stimme. Clarence Nash las in den 30er Jahren in einer Radiosendung in den USA „Mary had a little lamb“ mit der Stimme, wie er dachte, eines Lammes. Walt Disney hörte ihn, und Nash war bis 1983 die Stimme von Donald Duck. Fünfzig Jahre lang die Stimme einer Ente. Welch ein Triumph der Schauspielerkunst!

10,59 Meter Schwanzlänge

Es gibt keine Abbildungen im Buch, also schlägt man die hochgezüchteten japanischen Schmuckhühner (Onagadori) nach, um sich ein Bild zu machen von einem Vogel mit einer Schwanzlänge von 10,59 Metern. Das ist die faszinierende Präzision dieses Buches. Sind es ganz gewiss keine 10,60?

Der Leser wird nicht nur durch dieses Buch, sondern mit seiner Hilfe durch die gesamte Vogelwelt katapultiert. Und ein, zwei Minuten lang überlegt er sogar, ob er sich nicht Johann Friedrich Naumanns Klassiker „Die Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas“ kaufen soll. Naumann (1780-1857) war Ornithologe und Taxidermist. Er fertigte also ausgestopfte Vögel. 1280 sollen es gewesen sein. Sie erschienen dann in mehreren Bänden zwischen 1897 und 1905. Zuvor hatte er in 13 Bänden zusammen mit seinem Bruder herausgebracht: „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands. Nach eigenen Erfahrungen entworfen.“

Aber vielleicht ist das dann doch zu viel. Eher schon: Arnulf Conradis 2009 in der Anderen Bibliothek erschienenen „Vögel Mitteleuropas“ mit einer Reihe hier erstmals veröffentlichter Aquarelle. Die Wahrheit ist freilich, dass mir, so sehr mein Interesse an Vögeln geweckt wurde, dann doch vor allem ein Gedicht gefiel. Es stammt von Johann Friedrich Naumann. Es ist sein Versuch, den Gesang einer Nachtigall wiederzugeben:

„Ih ih ih ich ich watiwatiwati! / Diwati quoi quoi quoi quoi quoi qui / Ita lülülülülülülülülülü watiwatiwatih! / Ihih titagirarrrrrrrrr itz / Lü lü lü lü lü lü lü watitititit; / Twoi woiwoiwoiwoiwoiwoi ih, / Lülülülülülülü dahidowitz, / Twor twor twor twor twor twor tih! / Dadada jetjetjetjetjetjetjetjetjet, /Tü tü tü tü tü tü tü qui zatnzatnzatnzi; / Iht iht iht iht iht iht zirhading, / I i i i i i i i i a zatn zi, / Rihp rihp rihp rihp rihp rihp rihp rihp rihp ih! / Zezezezezezezezäzäzäzäzäzäzäzazazazazazazazi, / Ji jih güh güh güh güh güh dadahidowitz.“

Ich hoffe, ich habe beim Abschreiben keinen Fehler gemacht. Freunde der deutschen Interpunktion werden der Nachtigall dankbar sein, dass es das Semikolon vor dem Aussterben zu bewahren sucht. So hilft die eine der anderen bedrohten Art.

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