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Über das Sterben Große Autoren und ihr Ende

Hat Fallada recht? Nachdenken über Katie Roiphes Buch über das Sterben von Schriftstellern.

Friedenspreis
Susan Sontag, hier 2003 bei der Verleihung des Friedenspreises in Frankfurt. Foto: rtr

Einer der erfolgreichsten Buchtitel stammt von Hans Fallada „Jeder stirbt für sich allein“. Nichts falscher als das. Vielleicht aber ist es ganz, ganz am Ende dann doch wahr. Nicht weil die Sterbenden allein gelassen werden, sondern weil sie mit dem Sterben warten, bis sie endlich einmal allein sind. Katie Roiphe hat in einem bisher leider nur auf Englisch vorliegenden Buch („The Violet Hour – Great Writers at the End“) das Sterben von Sigmund Freud, James Salter, Maurice Sendak, Susan Sontag, Dylan Thomas und John Updike eindringlich beschrieben.

Dylan Thomas (1914-1953) soff sich zu Tode. Nicht allein in einem verborgenen Kämmerchen. Sondern ein Leben lang in Pubs und Bars. Als junger Mann hatte er erklärt, alle seine Gedichte seien auf dem Weg zum Grab entstanden. In der Nacht vom 4. November 1953 lag er total betrunken im Bett seines New Yorker Hotels, stand um zwei Uhr morgens auf, schob seine Freundin Liz Reitell, die ihn aufhalten wollte, zur Seite, kam nach ein paar Stunden zurück, und lallte ihr zu: „Das ist der Rekord: 18 Whiskeys“. Er kam ins Krankenhaus, verbrachte dort noch drei Tage im Koma unter einem Sauerstoffzelt.

Ein paar Tage zuvor soll er ihr erklärt haben: „Ich liebe dich, aber ich bin allein.“ Das war er aber schon immer. Das hatte mit seinem Sterben nichts zu tun, eher mit seinem Leben zum Tod. Allein war er definitiv nicht, als er starb. Als er am 9. November 1953 aufhörte zu atmen, war eine Krankenschwester gerade damit beschäftigt, ihn mit einem warmen Tuch abzuwaschen. In der deutschen Wikipedia steht, er sei an einer Lungenentzündung gestorben.

Susan Sontag (1933–2004) hatte den Krebs mehrfach besiegt, sie war sich sicher, dass sie auch diesmal stärker sein würde als der Tumor. Niemand weiß, ob sie nicht doch irgendwann einmal dachte, dass es diesmal das Ende sein könnte. In all den vielen Stunden mit all den vielen Freunden an ihrem Bett sprach sie niemals auch nur von der Möglichkeit ihres Todes. Aber vielleicht war, wie ihr Sohn David Rieff es einmal sagte, einfach weiterzuleben, ihre Art zu sterben.

Als sie am 28. Dezember stirbt, sitzen ein halbes Dutzend Menschen um sie herum. Ihre Partnerin Annie Leibovitz aber, die in Florida Aufnahmen machte, kommt zu spät. Sie setzt sich neben die Freundin und hält der Toten noch lange die Hand.

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