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Thriller Wo selbst der Spaß fürchterlich ist

Die Hölle in Aberdeen, das Grauen auf den Hebriden: Dunkle Thriller von Peter May und Christopher Brookmyre.

Schottland
Vom Pittoresken darf man sich hier nie täuschen lassen: Polizeiarbeit in Schottland. Foto: afp

Nordsee ist Mordsee „It’s grim up north“, befand mit lustvollem Grusel schon vor inzwischen fünfzehn Jahren das stilbildende schottische Techno-Duo The KLF. Doch es dauerte noch eine Weile, ehe dieser Ingrimm auch Eingang in die Literatur fand. 

Als Pionier darf der frühere „Scotsman“-Reporter Peter May gelten. Seine zwischen den Jahren 2011 und 2013 erschienene „Lewis-Trilogie“ setzte insbesondere die Hebriden auf die globale Landkarte des Grauens. In „Coffin Road“ kehrt er dorthin zurück: Auf der Insel Harris wird ein Mann an Land gespült, ohne zu wissen, warum – geschweige denn wer oder was er ist.

Von den Einheimischen erfährt er, dass er offenbar für ein Buch über drei Leuchtturmwärter recherchierte, die einst von einer benachbarten Inselgruppe verschwanden. Und als er dort nach Hinweisen sucht, findet er eine Leiche – was neben allem die Frage aufwirft: Ist er auch ein Mörder? 

Aus dieser Ausgangslage entwickelt Peter May einen extrem verzinkten Thriller, der zugleich eine herausfordernde literarische Übung ist: Ein Ich-Erzähler mit Gedächtnisstörung, der dann auch noch einen Mord aufklären muss, den er womöglich selbst begangen hat.

Eigentlich, würde man meinen, brauchte es Meister wie Umberto Eco oder Michael Ondaatje, um sich bei so einer Konstruktion nicht heillos zu verzetteln. Peter May zieht das aber ganz cool durch. 

Oh, wie schön ist Aberdeen Während sich bei Peter May der Grusel vor pittoresker, nicht durchweg phrasenfrei veranschaulichter Highlands-Kulisse entfaltet, ist bei Christopher Brookmyre alles schwarz.

Auch im Inneren der Figuren – als wären mit der Kohle auch die Seelen ausgebrannt, lavieren sie sich grimmig durch gottverlassene, dem Faustrecht und dem Regen ausgesetzte Orte.

Aberdeen zum Beispiel, Schauplatz des schon 2001 erschienenen, erst jetzt übersetzten Romans „A Big Boy Dit It and Ran Away“.

Protagonisten sind die früheren Studienfreunde Raymond und Simon, beide träumten einst davon, Rockstars zu werden, und beide werden von Welthass und der Frage geplagt, was man „mit seinem einen, einzigen Leben machen sollte, wenn man dazu verdammt war, es hier zu verbringen“.

Als sich beider Wege Jahre später wieder kreuzen, hadert Raymond in innerer Emigration vor sich hin, Simon entlädt seine Wut als Profi-Attentäter für Auftraggeber in aller Welt. Er plant einen Anschlag auf einen Staudamm.

Und „der armselige Vorstadtsklave“ Raymond muss sein Leben riskieren, um das zu verhindern. Nicht dass ihm der Preis zu hoch erscheint: „Hauptsache, er saß im Jenseits nicht bis alle Ewigkeit in der Hölle Aberdeens fest.“

Ein fürchterlicher Spaß. 

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