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Theodor Storm Schreibend gegen das quälende Rätsel des Todes

Vor 200 Jahren wurde Theodor Storm geboren, der mehr war als ein Heimatdichter.

Theodor Storm
Theodor Storm um 1886. Foto: epd

Gegen Ende seines Lebens zieht Theodor Storm noch einmal einen guten Anzug an, lässt sich in einem gepolsterten Lehnstuhl nieder und sitzt still für eine Fotografie. Wir sehen einen stattlich wirkenden alten Herrn mit faltigem, von weißem Haar und Vollbart umrahmtem Gesicht. Sein Blick ist ernst, fast ein wenig streng. Man könnte ihn für einen friesischen Kapitän im Ruhestand halten. Oder für einen pensionierten Deichgrafen, wie Hauke Haien es geworden wäre, hätte der „Schimmelreiter“ sich nicht in die tödliche Sturmflut gestürzt. Die populärste Storm-Novelle ist noch nicht zu Papier gebracht, als ihr fast siebzigjähriger Erzähler sich im Jahre 1886 ablichten lässt. In seinem Kopf spukt der gespenstische Reiter indes schon lange.

Zeitgenossen beschreiben Theodor Storm als schmalbrüstig

Gemein hat der Dichter mit seinem bekanntesten Protagonisten so gut wie nichts. Als hochgewachsener Friese mit stechend-scharfem Blick kann Theodor Storm nicht durchgehen: Zeitgenossen beschreiben ihn als schmalbrüstig, von mittlerer Größe, mit leicht gebeugter Haltung, schleppendem Gang, langsamer Sprechweise. Statt gegen die Naturgewalten kämpft er eher mit seiner inneren Natur: Ein Leben lang wird er gegen die eigene Schwermut anschreiben. In Vergänglichkeit und Tod, die Liebe und Familie bedrohen, findet er die Generalthemen für seine Gedichte, Märchen, Novellen.

Hans Theodor Woldsen Storm wird am 14. September 1817 in Husum an der Westküste Schleswigs geboren, in vergleichsweise privilegierte Verhältnisse hinein: Mutter Lucie Woldsen entstammt einer alteingesessenen Husumer Patrizierfamilie, Vater Johann Casimir ist Notar aus der Gegend um Rendsburg, was den Sohn, der mit dem „Schimmelreiter“ eine Art nordfriesisches Nationalepos schaffen wird, nur zum halben Friesen macht. In Theodors Elternhaus wird hochdeutsch gesprochen, ab und an plattdeutsch, doch kein Wort friesisch.

Husum hat seine Glanzzeiten hinter sich, doch im Haus der Eltern, mehr noch im Anwesen der Großeltern in der Hohlen Gasse kann der kleine Theodor sie noch am Rockzipfel fassen, die gute alte Zeit, als die Austernfischerei und der Handel mit Friesensalz, Vieh und Pferden das Städtchen hat aufblühen lassen.

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