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„Sea Detective“ Schafsknochen im Schlamm

Der neue, ziemlich gelassene „Sea Detective“-Krimi des Schotten Mark Douglas-Home.

Schottland
Dunkel gefärbt erscheint der Norden Schottlands bei Mark Douglas-Home. Foto: Cathal McNaughton/rtr

Ein Meeresbiologe, der Strömungen erforscht und berechnet, um Umweltsünder zu erwischen, ist Mark Douglas-Homes „Sea Detective“. Im ersten Band – „Ein Grab in den Wellen“ -, konnte Cal McGill zu makabrem Treibgut (abgetrennte Füße) entscheidende Hinweise geben. Im zweiten Band nun ist er interessanterweise fast eine Randfigur.

Denn seine Fähigkeiten kommen erst ins Spiel, als eine junge Frau sich fragt, ob es eigentlich sein kann, dass ihre Mutter einst ins Wasser gegangen ist und nie gefunden wurde – wohl aber ihr Hut und ihre Handtasche nebeneinander am Strand, angeblich angeschwemmt.

Der Schotte Mark Douglas-Home war Journalist, ehe er sich dem Krimischreiben zuwandte. Schon sein Erstling nahm sich Zeit und Raum für Szenerie und Atmosphäre. Diesmal entwickelt sich alles noch langsamer, es dauert, bis Cal und Violet Wells, die junge Frau, sich überhaupt kennenlernen. Figur um Figur kommt ins Spiel in einem fiktiven Küstenort im Norden Schottlands und wird ausführlich gezeichnet.

Der Ort selbst ist alles andere als eine Filmidylle. Beständig scheint es dort zu regnen, der Boden ist aufgeweicht. Den Einwohnern geht es wirtschaftlich nicht gut, egal, ob sie Landwirtschaft oder etwas anderes betreiben. Darum sind sie auch sehr aufgeschlossen für ein Windpark-Projekt, das Jobs verspricht. Und darum ist mancher sehr schlecht zu sprechen auf Duncan, der Treibgut sammelt, allein lebt in einem verfallenden Haus und der just einen Teil des Grunds besitzt, den die Windparkbetreiber für Leitungen brauchen. „Ich verkaufe nicht“ schreibt er auf ein Schild und stellt es vor sein Haus.

Duncan, der Sonderling und psychisch Kranke, war außerdem einst verliebt in Violets Mutter. Könnte er ihr etwas angetan haben? Irgendwann will es die Polizei nicht mehr ausschließen. Irgendwann beginnt sie auch zu graben, dort, wo ein Bauer Schafskadaver entsorgte. Es regnet mal wieder, Forensiker pulen Schafsknochen aus Schlamm – und der Norden Schottlands ist so ziemlich das trostloseste Fleckchen Erde.

Mark Douglas-Home ist ein sorgfältiger, besonnener Schreiber, dem die Plausibilität seiner Figuren und ihre Verankerung in spezifischen sozialen und gesellschaftlichen Umständen wichtiger sind als Action oder Cliffhanger. Die vierjährige Tochter Violets wird genauso lebendig wie die alte Mary Anderson, die so viele Jahre Dienstbotin war und nun aus ihrem Haus vertrieben werden soll. Und obwohl der schottische Autor durchaus gern von Schauplatz zu Schauplatz springt, verliert man nicht den fein melierten Faden.

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