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„Sea Detective“ Alle in einem Boot

Viel, ein wenig zu viel packt Douglas-Home in diesen ersten Kriminalroman, aus dem doch eine Reihe werden soll.

Insel
Nicht nur Müll liegt am Strand der fiktiven Insel Eilean Iasgaich. Foto: FRED TANNEAU/afp

Unglaublicherweise sind im schier totgeschriebenen Genre des Kriminalromans immer noch ein paar Nischen frei. Eine hat der Schotte Mark Douglas-Home gefunden, indem er einen Meeresbiologen zum Co-Ermittler der Polizei macht. Cal McGill hat sich auf Treibgut spezialisiert; genauer, auf die Berechnung der Wege, die am Strand oder im Meer Gefundenes womöglich genommen hat. Egal, ob es sich um Ölteppiche oder abgetrennte Füße handelt.

Dazu packt Douglas-Home im ersten Cal-McGill-Krimi ausführlich die Familiengeschichte seines Helden. Die vor allem deswegen interessiert, weil sie einen sehr entlegenen Winkel der Erde und seine sehr speziellen gesellschaftlichen Verhältnisse in den Blick nimmt. Douglas-Home erfindet dafür eine kleine Insel vor der schottischen Nordküste, weil er den Bewohnern realer Inselchen nicht auf die Füße treten wollte. Denn auf dem fiktiven Eilean Iasgaich hausen nur wenige Familien und nicht jeder kommt gut mit jedem aus. Die soziale Kontrolle ist immens, die Feindschaft mehr als nur unbehaglich.

Letzteres ist umso schlimmer, als alle jungen Männer Eilean Iasgaichs auf nur einem Boot zum Fischen fahren. Sich außerdem gemeinsam am Widerstand gegen die Deutschen betätigen (es ist die Zeit des Zweiten Weltkriegs). Cal McGills Großvater soll auf einer solchen Fahrt einen Fehler gemacht und für den Tod eines Nachbarn verantwortlich sein. Auf einem Heldendenkmal fehlt darum sein Name. Aber im Tagebuch, das auf dem Schiff geführt wurde, fehlen auch ein paar Seiten. Jede Krimileserin kann sich denken, dass das noch eine Rolle spielen wird.

Viel, ein wenig zu viel packt Douglas-Home in dieses erste Buch, aus dem doch eine Reihe werden soll (warum also die Hast?). Der „Sea Detective“ hat in kürzester Zeit seine Ehe geschreddert – und hängt aber noch an seiner Frau, sehr sogar.

Er engagiert sich als Natur- und Klimaschützer, steigt in die Gärten von Politikern ein, um dort heimlich eine seltene Pflanze zu pflanzen. Und plötzlich hat er auch noch eine junge Unter- oder eher Obermieterin, ein missbrauchtes indisches Mädchen, das fliehen konnte und auf seinem Dach schläft, da es in geschlossenen Räumen in Panik gerät.

Zwar ist ein Teil der Edinburgher Polizei völlig unfähig, das Richtige zu tun (nämlich: ihn wegen der Pflanzaktion in Ruhe zu lassen, ihn in Sachen abgetrennte Füße um Rat zu fragen), aber es gibt die schlaue, runde Detective Helen Jamieson – und als Duo sind Cal und Helen unschlagbar.
So wird am Ende der Gerechtigkeit Genüge getan und Detective Jamieson befördert. Das bringt die beiden Figuren fein in Stellung für ihren nächsten Fall.

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