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„Schlafende Erinnerungen“ Die Gunst eines gewissen Schweigens

Wie man Träume dirigiert: In seinem neuen Roman „Schlafende Erinnerungen“ erzählt Nobelpreisträger Patrick Modiano wieder eine merkwürdige, aufregende Geschichte von früher.

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Flüchtige Begegnungen, in Paris am laufenden Band unvermeidbar, sind bei Modiano eher Koinzidenzen als Zufälle. Foto: AFP

Ein Meisterstück verlangsamten Erzählens ist es, wie Modiano diese Flucht schildert. Wie in einer filmischen Zeitlupe läuft sie ab. Eigentlich müsste Panik ihn und die junge Frau befallen, doch Jean D. nimmt das Ganze wie einen Traum wahr, und da das Buch unter seinem Kopfkissen „Die Träume und die Mittel sie zu dirigieren“ heißt, versucht er genau das zu tun. „Ich verspürte eine Ruhe und eine Besänftigung, wie ich sie bisher nie erlebt hatte.“

Fünfzig Jahre später, als er die für ihn damals folgenlose Geschichte erzählt, resümiert er: „Ich war damals wohl unsichtbar für sie. Vielleicht aber leben wir einfach in der Gunst eines gewissen Schweigens.“ Zugleich weiß er, dass diese Affäre am Anfang eines anderen Lebens stand und das Ende der frühen Jugend bedeutete.

Auch dieser Kriminalfall löst sich in einem Nichts auf, wie so viele Geschichten des Erzählers Modiano, die ein Rätsel – und Verwirrspiel sind. Und doch: Nach fünfzig Jahren findet er Polizeiakten, die belegen, dass er damals in den Fall verwickelt war als ein Jean D. – nicht aus Zufall besitzt der das Geburtsdatum und den Geburtsort eines gewissen Patrick Modiano. 

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