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Sagen aus Wiesbaden Drama auf Burg Frauenstein

Hier tummelten sich einmal Riesen, Gespenster, schöne Frauen und jugendliche Liebhaber: Das und noch viel mehr steht in Eva Wodarz-Eichners Buch über die sagenhaften Seiten Wiesbadens.

Leicht ist es, sich vorzustellen, dass der Geist eines gewissen Mainzer Ritters an der Mosburg in Biebrich sein Unwesen als Feuerreiter treibt und Mädchen in einen Heulkrampf. Oder dass der Teufel Wiesbaden deshalb weiträumig umfährt, weil ein schlauer Wirt ihm einst eine übermäßige Ration Kochbrunnenwasser unterjubelte (Weihwasser ist nichts dagegen). Übrigens hatte man dem Teufel in Mainz empfohlen, sich doch einmal Wiesbaden anzuschauen. So verbindet sich das Vertraute mit dem Verblüffenden.

Die Sagen, Märchen und Schwänke, die sich um die ehemalige Weltkurstadt ranken, trafen im 19. Jahrhundert, wie die Stadt selbst, auf großes Interesse. Ihre Wurzeln aber sind älter, als man es ihnen und ihr zutrauen möchte. Obwohl sich die Mosburg einer romantischen Anwandlung verdankt, geht ihr Fundament doch aufs 9. Jahrhundert zurück.

Das steht und noch viel mehr in dem Buch von Eva Wodarz-Eichner über die sagenhaften Seiten Wiesbadens und seiner Umgebung. Hier tummeln sich Riesen, Gespenster, schöne Frauen und jugendliche Liebhaber, und meist endet es böse. Mehr als eine Holde nimmt sich im Rhein das Leben und kehrt anschließend eventuell zum Ungetreuen zurück, welcher daraufhin schon allein psychisch vor die Hunde geht. Ein dummer Knabe begreift nicht, worauf es ankommt im Leben, und zwar in Wiesbaden-Sonnenberg. Ein egoistischer Vater zerstört das Glück der Tochter, um selbst einsam zu sterben, und zwar in Wiesbaden-Frauenstein. "Sagenhaftes Wiesbaden" erinnert daran, wie dicht die Gespenstergeschichte am bürgerlichen Trauerspiel liegen kann.

Weniger überraschend erinnert es außerdem daran, wie dicht das Märchen an der impertinenten religiösen und gesellschaftlichen Belehrung liegt. Warum sollte es in und um Wiesbaden fairer zugehen als anderswo.

Wehe dem Sonntagsarbeiter!

Ein armer Schmied in Hallgarten (heute ein Ortsteil von Oestrich-Winkel) hilft an einem Sonntag widerwillig (Drittes Gebot!) einem beelzebubischen Kunden, welcher ihm darauf eine Zange schenkt. Sie verwandelt in Gold, was sie berührt. Der Schmied und seine Familie freuen sich begreiflicherweise darüber. Es bringt ihnen aber nur Unglück, und der Leser ist nicht sicher, ob es daran liegt, dass der Schmied sonntags gearbeitet oder dass er die Zange angenommen hat. Klar ist, dass arme Leute arm zu bleiben haben.

Generell gilt, dass Fromme bessere Aussichten haben, heil durch gespenstische Abenteuer oder grausames Kriegsgeschehen zu kommen. Historisches bahnt sich seinen Weg in die Fantastereien, und Wodarz-Eichner erklärt anschließend jeweils die realen Hintergründe.

Aber auch durch die Geschichten selbst erklärt sich manchmal Faktisches: Ein Riese hat sich einmal mit der Hand abstützen müssen - sie drückte die Täler ein, aus denen Wiesbaden besteht. Da schau her. Apart auch, dass Kloster Eberbach - fasst man die Vorfälle knapp zusammen - von Wildschweinen und Engeln entworfen und gebaut wurde.

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