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Ror Wolf Und wo ist der Büchnerpreis?

Eine kleine, aber entschiedene Geburtstagsfeier für Ror Wolf bei den Frankfurter Lyriktagen im Museum Angewandte Kunst.

Den 85. Geburtstag von Ror Wolf feierten am Donnerstagabend sein Verleger Klaus Schöffling, seine Leserinnen Annette Pehnt und Ulrike Almut Sandig sowie der SWR-Redakteur Alexander Wasner als Moderator. Wasner, auch er Ror-Wolf-Leser, freute sich, dass Ror Wolf in Mainz lebt, Schöffling und das Publikum bei den Frankfurter Lyriktagen im Museum Angewandte Kunst freuten sich, dass er im Herzen der Frankfurter geblieben ist. Das Eintracht-05-Geplänkel nahm den kleinsten Teil der Feierstunde ein, aber in diesem Fall natürlich keinen unwesentlichen.

Der Dichter, der schon lange keine Reisen mehr unternimmt, war über Einspielungen beim Rezitieren zu erleben, zuerst mit „Mein Famili“, 60 Jahre alt, was nicht zu glauben ist. Schöffling erzählte dann davon, wie er Ror Wolf wegen einer Anthologie anschrieb und Gedichte zugeschickt bekam, bei denen ihm nach der Lektüre klar gewesen sei: Er wolle nicht ein paar, er wolle den ganzen Band und sämtliche weiteren Bände ebenfalls, also alles. Das war Anfang der neunziger Jahre.

Denn die Geschichten über Ror Wolf handeln immer wieder davon, wie er belesenen Menschen endlich auffällt. Ab dann wollen diese Menschen zumeist, dass er den Büchnerpreis bekommt, nein, dass er ihn schon vor Jahrzehnten bekommen hätte. Dem ist aber nicht so. Diesmal übernahm die Autorin Annette Pehnt den Part äußerst sympathisch, indem sie (bei in diesem Kreise doch weit offenstehenden Türen) immer wieder ausrief, es sei ganz unbegreiflich, dass Ror Wolf nicht viel berühmter sei. Sie selbst – die am Freitag erstmals in Mainz auf dem Kupferberg persönlich zu Gast sein sollte – gehört zu den Spätberufenen. Autorin Sandig kennt sich schon besser aus und wusste von Wolfs Schnipsel-Sammlungen zu erzählen. Just solche, die er schließlich weggegeben habe (für offenbar hammermäßige Vorzugsausgaben bei Schöffling) vermisse er jetzt schmerzlich. Sie gab dem Publikum die Formel mit: „Macht halt Sauspaß, wenn man es liest. Punkt, aus.“

Und was ist mit der Autobiografie? Eine der großen Fiktionen der deutschen Literaturgeschichte, so Schöffling. Vor zwölf Jahren habe er, Wolf, ihm einen Manuskriptstapel von der Seite gezeigt. Er arbeite daran, habe er gesagt. Schöffling zeigte sich restlos zuversichtlich.

Die Lyriktage enden am 1. Juli.
www.frankfurter-lyriktage.de

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