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Robert Misik: „Was Linke denken“ Links lesen mit Gewinn und Spaß

Robert Misiks kleine Theoriegeschichte.

Geht das auf weniger als 150 Seiten? „Ich versuche ... zu zeigen“ schreibt Robert Misik im Vorwort, „welche Haltungen heute in den linken und gesellschaftskritischen Milieus weitgehend geteilt werden und aus welchen theoretischen Quellen sie sich speisen“. Sehr gewagt, aber: Ja, es geht.

Wer den ganzen Marx gelesen hat, wer Nächte mit den Werken von Gramsci verbracht oder Foucault mit der Muttermilch aufgesogen hat, wird sicher in „seinem“ Kapitel gewaltige Lücken finden. Aber dennoch ist dem österreichischen Publizisten ein echtes Kunststück gelungen: Er hat die gesellschaftskritische Philosophie zweier Jahrhunderte zu einem lehrreichen und obendrein sehr gut lesbaren Überblick im doppelten Wortsinn ver-dichtet.

Natürlich ist so eine „Reise durch das linke Denken“ riskant, das fängt ja beim Begriff „Linke“ schon an. Aber Robert Misik hat vorgebaut. Zu den „Linken“, in deren „Alltagsverstand“ sich die im Buch nachgezeichneten Theorien abgelagert haben, zählt er mit einer gewissen Großzügigkeit alle, denen sich ein emanzipatorischer Impetus, das Bestreben nach der Überwindung von Ungleichheit und eine internationalistische Offenheit zuschreiben lässt.

Das mag unpräzise klingen. Aber wenn man es zusammen mit den acht Kapiteln zu unterschiedlichen linken Theoriegebäuden liest, geschieht das, was der Autor bezweckt haben mag: Es entsteht, entgegen all den Parolen vom „Ende der Ideologien“, das Bild einer gesellschaftlichen Strömung, in der die Ideale linker Theoretiker ihr „Echo“ finden und die, fände sie zu politischer Wirksamkeit, die Welt etwas gerechter und friedlicher machen könnte.

Linke Dogmatiker werden das als Reformismus verwerfen und Konservative als naiven Idealismus. Aber allen, die die Vorstellung von der Veränderbarkeit der Verhältnisse auch im Kapitalismus nicht aufgegeben haben, ist es eine Ermutigung.

Und es gibt, neben einigen übertriebenen Flapsigkeiten („Adorno und seine Gang“), sogar richtig etwas zu lachen. Zum Beispiel für alle, die das Wort „Diskursjockey“ bisher noch nicht kannten.

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